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Stabwechsel in der Gefängnisseelsorge der JVA Würzburg

29. September 2026

Den Gottesdienst gestalteten Bischofsvikar Albin Krämer (Mitte), der evangelische Pfarrer Frank Witzel (links) und der russisch-orthodoxe Priester Vladimir Bayanov (rechts).

Abschied, Neubeginn und viele emotionale Momente: Bei einem Gottesdienst in der Hauskapelle der Justizvollzugsanstalt (JVA) Würzburg sind Ende September Gemeindereferent Christoph Gewinner als neuer Leiter der Gefängnisseelsorge im Bistum Würzburg und Pfarrer Manuel Vetter als neuer Seelsorger begrüßt worden. Zugleich wurde Pastoralreferentin Doris Schäfer verabschiedet. Sie leitete die Gefängnisseelsorge seit 2014.

Gemeindereferent Christoph Gewinner (rechts) als neuer Leiter der Gefängnisseelsorge im Bistum Würzburg und Pfarrer Manuel Vetter (links) als zwei neue Gefängnisseelsorger der JVA Würzburg.

“Eine Frau muss durch zwei Männer ersetzt werden…”

Bischofsvikar Domkapitular Albin Krämer, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, begann den Gottesdienst mit einem Dank. Dank an Schäfer für den gemeinsamen Weg und ihren Dienst, Dank an Gewinner und Vetter, die den Weg ab jetzt mitgehen. „Dankbarkeit ist der Schlüssel, der das Herz aufschließt und weit macht, der Schlüssel für eine Tür, die in die Zukunft führen kann“, sagte er. In seiner Predigt sprach Domkapitular Krämer über die Heilung des gelähmten Bettlers durch Petrus. In der Apostelgeschichte reicht Petrus ihm die Hand und fordert ihn im Namen von Jesus Christus auf, aufzustehen und zu gehen. „Da sitzt einer am Boden, der vom Leben gebeutelt ist, und der so, wie er ist, von Gott angenommen wird“, sagte Krämer. Der Bettler habe die Sehnsucht und die Hoffnung, dass es einen Menschen gibt, der ihm die Hand reicht. Dann finde er Petrus und Johannes. Petrus reiche ihm die Hand – nicht in seinem eigenen Namen, sondern im Namen Jesu. „Finde den Weg Deines Lebens, damit es für Dich ein gutes wird“, forderte Krämer auf.

„Dafür stehen alle Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Gefängnisseelsorge. Wir hören zu und begleiten im Rahmen des uns Möglichen.“ In den Fürbitten wurde unter anderem für eine weiterhin harmonische Zusammenarbeit in der Seelsorge gebetet sowie um Kraft und Halt für alle, die neu in die JVA kommen: „Schenke ihnen die Zuversicht, dass ihr Leben gelingen kann.“ „Wir sind nicht da, um Gott in die JVA zu bringen. Er ist schon da“, sagte Pastoralreferent Christian Hohm, Leiter der Abteilung Diakonische Pastoral. Aufgabe der Gefängnisseelsorgerinnen und -seelsorger sei es, zuzuhören und da zu sein. Er wünschte Gewinner für das neue Amt „eine gute Hand in der Führung des Teams. Es ist eine große Aufgabe. Danke, dass Du sie übernimmst.“ Gewinner wiederum führte Vetter als neuen Seelsorger ein. Im Namen beider dankte er für das Vertrauen und Wohlwollen und scherzte: „Eine Frau muss durch zwei Männer ersetzt werden.“

Doris Schäfer hat zum Abschied Dankeskarten gestalten lassen.

“Menschen wie Sie bewegen etwas…”

Im Namen der Gefangenen überbrachte eine junge inhaftierte Frau berührende Dankesworte und gute Wünsche an Doris Schäfer. „Sie hörten uns zu, standen uns bei und brachten ein Stück weit Licht an diesen Ort. Sie waren für uns alle da, gleich welchen Glaubens oder was wir angestellt haben. Menschen wie Sie bewegen etwas und machen die Welt zu einem besseren Ort, geben Mut und Hoffnung.“ Sie dankte Schäfer im Namen aller Gefangenen für ihren Einsatz und ihr Engagement und wünschte ihr eine gesegnete Zukunft. „Wir sind uns sicher, dass Sie diese Welt weiterhin erhellen werden. Vielen Dank!“ Zum Abschied überreichte sie unter dem Applaus der Anwesenden ein Buch, dass die Gefangenen selbst gestaltet haben. „Ich werde in Gedanken bei Ihnen sein“, versicherte Schäfer. Auch für Gewinner und Vetter gab es gute Wünsche von Seiten der Gefangenen: „Wir alle freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit und wünsche Ihnen eine gesegnete Zukunft.“

Der evangelisch-lutherische Pfarrer Frank Witzel dankte im Namen von Dekan Dr. Wenrich Slenczka für die „wunderbare ökumenische und geschwisterliche Zusammenarbeit“ in der Gefängnisseelsorge. Er dankte allen für den Vertrauensvorschuss für diesen wichtigen Dienst, so dass „etwas zusammenschwingen kann, das unser Leben heller macht“. Vladimir Bayanov von der Russisch-Orthodoxen Kirche überreichte Schäfer eine eigens für sie geschriebene Ikone der Heiligen Anastasia. Doris Schäfer habe ihr Amt nicht nur formell, sondern „mit dem Herzen“ übernommen.

Andreas Bär, Vorsitzender der Katholischen Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V., blickt nochmals auf Schäfers Werdegang. Als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft International habe Schäfer „den Blick nach draußen offengehalten“ und unter anderem 2023 ein Europatreffen in Würzburg mit Teilnehmern aus dem europäischen Ausland organisiert. Auf ihre Initiative gingen ein Protestschreiben gegen die Erprobung neuer Hinrichtungsmethoden in den USA sowie die Aktion „Gefangene befreien“, dank der Anwälte für Menschen in Malawi und Mozambik finanziert wurden. Bär bescheinigte ihr „Ausdauer, Entschlossenheit und einen Anflug von Sturheit“. Er dankte Schäfer im Namen aller Kolleginnen und Kollegen und wünschte ihr alles Gute und Gottes Segen.

Er könne den Dank der Gefangenen „nicht toppen“, sagt der Anstaltsleiter, Leitender Regierungsdirektor Ullrich Mann. „Ihr Wirken hier war unglaublich segensreich.“ Die Arbeit der Gefängnisseelsorge könne nicht hoch genug geschätzt werden. Für einen Menschen, der neu in die JVA komme, breche die persönliche Welt zusammen. „Dann braucht es jemanden, der einem die Hand reicht. Sie haben bestimmt die eine oder andere Seele gerettet.“ Auch für die Bediensteten sei Schäfer stets dagewesen. Er freue sich, dass Schäfer der JVA als „weltliche Ehrenamtliche“ erhalten bleiben werde. Zugleich begrüßte der JVA-Leiter Gewinner und Vetter in ihren neuen Aufgaben. Er freue sich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit in der Gefängnisseelsorge.

Gemeindereferent Christoph Gewinner (Mitte) als neuer Leiter der Gefängnisseelsorge im Bistum Würzburg und zu 40 % Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt Würzburg.


 “Danke, dass ich hier arbeiten durfte…”

„Es ist ein sehr bewegender Moment. Ich bin dankbar, dass ich so viele Jahre hier arbeiten durfte“, sagte Schäfer sichtlich berührt. Sie werde den „wunderschönen Gottesdienst“ in Erinnerung behalten. Ihr Dank galt den Kolleginnen und Kollegen, den Ehrenamtlichen, vor allem aber auch den Gefangenen. „Sie haben mir ihre Geschichten, Ihre Sorgen und Freuden anvertraut. Ich durfte hinter viele Fassaden blicken und lernen, dass man das Leben oft nicht selbst in der Hand hat. Das war ein großes Geschenk.“ Erfolg sei mehr als Karriere, Haus oder Geld. Erfolg sei zum Beispiel, wenn man auch in der Haft Wege finde, eine gute Mutter, ein guter Vater zu sein.

Sie werde sich „oft und gerne“ an die Menschen in der JVA erinnern. „Danke für Ihre Zuneigung und Unterstützung. Ich wünsche Ihnen allen ein erfolgreiches Leben. Alles Gute und Gottes Segen.“ Gefangene, Bedienstete und Gäste dankten ihr mit langem Applaus. Die Gefangenen der JVA prägten den Gottesdienst wesentlich – vom liebevoll mit Zeichnungen verzierten Liedheft über die Beteiligung in russischer Sprache an der biblischen Lesung und den Fürbitten. Die musikalische Gestaltung der Feier übernahmen der „Ad-hoc-Frauenchor“ unter der Leitung der Gefängnisseelsorge-Kollegin Monika Schraut und dem Organisten.

Kerstin Schmeiser-Weiß | Bistum Würzburg

 

 

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