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Zwei Musikevents im Knast der JVA Duisburg-Hamborn

1. Oktober 2026

Zwei unterschiedliche musikalische Events in der JVA Duisburg-Hamborn? Die Anstalt, in der die Flucht eines Untersuchungshäftlings gelang? Organisiert von der Gefängnisseelsorgerin ist dies kein Grund, für andere inhaftierte Menschen Angebote zu machen. Resozialisierung steht im Vordergrund, nicht die Bestrafung, so die Gefängnisseelsorgerin Elisabeth Kämmerling.

 

Lebendige Musik und Gespräche

Ende September begeistert der Männerchor „Sing´ ma wat!“ aus dem Duisburger Norden mit Songs wie „Junge“, „Baby one more time“, „Strand im Ruhrgebiet“ und „Halleluja“. Eine gute Stimmung entsteht innerhalb weniger Minuten, es wird mit gesummt, mit geklatscht und pfeifend Anerkennungsrufe geäußert. Jeder Song ruft hohe Aufmerksamkeit hervor und wird mit rauschendem Beifall belohnt. Das Strahlen der Gesichter auf beiden Seiten wächst zeitgleich, die Chorsänger kommen immer mehr in einen Sing-Flow. Mit dem letzten Lied „Das Licht dieser Welt“ läutet der Chor einen nicht enden wollender Applaus ein, was nur noch dadurch gestoppt wird, dass die 12 Sänger sich anschließend an die Tische der Inhaftierten verteilten, mit ihnen Knabbersachen verspeisen und lebendige Gespräche entstehen.

Inneres Bild wird überholt

Vorurteile werden ausgeräumt und die für Außenstehende mit einem Etikett versehenen Inhaftierten zeigen sich als Menschen mit Stärke, Schwächen, guten Gedanken und Zuwendungsfähigkeit. Am Ende sind es nicht die Inhaftierten, die begeistert sind. Die Chormitglieder sind sprachlos, wie sehr ihr inneres Bild in der realen Begegnung mit Gefangenen überholt wird. Die anfängliche Scheu weicht einem wachsenden Interesse an den Inhaftierten Männern und am Ende zollt sie diesen einem hohen Respekt: Eine solche Ehrlichkeit sich selbst gegenüber in den tiefsinnigen Gesprächen erleben die Sänger nach ihren Konzerten noch nicht.

Klassische Musik als Zumutung für die Gefangenen

Zwei Tage später Musik der ganz anderen Art: mit klassischen Stücken von Schubert, Brahms und Bruckner für Cello und Klavier. Dies gestalten Hannah Hoppmann und Mykhailo Aleinikov aus Köln im Knast-Gottesdienst. „Diese Musik ist in der Tat eine Zumutung für die Inhaftierten, denn klassische Musik ist in den seltensten Fällen ein Teil ihrer bisherigen Erfahrung gewesen“, sagt die Gefängnisseelsorgerin Elisabeth Kämmerling. Das anfängliche Fremdeln, das zurückhaltende Hinhören auf die so fremden Klänge weicht bereits beim zweiten Stück der Faszination der virtuos und mit Herzblut ausgeführten Stücke, so dass sich die Männer immer gefesselter und andächtiger werden. Am Ende gibt es tosenden Applaus und „Hurra“-Rufe für das Musik-Duo aus Köln.

Elisabeth Kämmerling | JVA Duisburg-Hamborn
Titelfoto: Imago

 

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