Die Herforder Knastkrippe hat neben vielen Besonderheiten ein kleines Detail, dass leicht übersehen wird: Die Strahlen des Sterns, denen die drei Sterndeutern gefolgt sind, strahlen direkt über dem Gefängnis. Ein Strahl jedoch bricht geradezu durch das Dach ins Gefängnis herein.
Damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Matthäus 5,45 – Elberfelder Bibel | Ps 145,9; Apg 14,17
Die Sonne geht auf,
ohne zu fragen, wer sie verdient.
Ihre Wärme fällt auf jedes Gesicht, jedes Dach, jede Wunde.
Mögen wir von dieser Großzügigkeit lernen.
Es liegt eine stille Macht in jedem Morgen.
Die Erinnerung daran, dass das Leben immer
nach einem Neuanfang sucht.
Sogar nach langen Nächten, nach Angst,
sogar nach Enttäuschung.
Ines Fischer
Alle anderen Orte heller
Wenn es sich mit diesem Stern genauso verhält wie mit der Sonne, dass der wegweisende Schein „auf jedes Gesicht, jedes Dach, jede Wunde fällt“, dann ist die Sonne eines jeden neuen Tages wie die Erinnerung an die Geburt Jesu, die dem Bösen wie dem Guten, dem Gerechten wie dem Ungerechten gilt. Es ist immer wieder ein Neuanfang „nach langen Nächten, nach Angst, und nach Enttäuschung.“ Die Sternstrahlen unterbrechen und kommen durch starre Mauern und Zäune hindurch. Gefangenen können die Sterne nicht sehen, weil das Gefängnis nachts hell erleuchtet bleibt. In der JVA Hünfeld haben sie in der Kapelle deshalb ein Sternenbild in die Fenster gemacht. “Am liebsten wäre ich auf einen anderen Stern”, sagt ein jugendlicher Inhaftierter. Alle anderen Orte seien besser und heller als “dieser Kindergarten” sagt er. Doch daran ändern kann er nichts. Selbst schuld, sagen manche, warum wurde er denn straffällig?
Unter keinem guten Stern
Nichtsdestotrotz sehen sich die Menschen nach etwas Helles, nach einen “guten Stern”. Dies kann die Freundin sein, die Besuch kommt oder der Großvater, der den Jungen nicht im Stich lässt. Unter keinem guten Stern stehen die alltäglichen Übergriffe und die Gewalt im Jugendgefängnis. Dem einen “Stern”§ entgegenzusetzen ändert die Lage und den Ort nicht, aber der Blickwinkel und die Hoffnung, dass es wieder anders werden wird. So wie die Sonne jeden Tag wieder aufgeht. Gefangenen ist es lieber, wenn die Sonne nicht scheint. “Das erinnert einen daran, was ich draußen alles verpasse”, mein ein 16-Jähriger aus dem Kosovo. Der schwere dunkle Vorhang wird im Haftraum zugezogen. “Da sitze ich lieber bei künstlichem Licht in der Zelle”, erzählt er wehmütig. Das Bild der Knastkrippe rüttelt auf und zeigt, dass die Lichtstrahlen überall hinkommen können.
Thünemann/King








