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Seit Jahren befinden sich auf dem geschlossenen Gelände der Justizvollzugsanstalt Herford in Ostwestfalen zwei Katzen. Die schwarz-braune heißt Mauzi und die schwarz-weiße Katze hat im Impfpass den weniger charmanten Namen „Feigling“. Sie war damals sehr schüchtern. Die Mauern schränken sie in ihrer Bewegungsfreiheit nicht ein. Manches Mal schließt ein Bediensteter die Tür zum Innenhof auf. Sie sind vor allem nachts aktiv. Tagsüber schlafen sie im Büro der Verwaltung oder an ihren Lieblingsplätzen im Vorhof der Anstalt.

Die schwarz-braune Katze heißt Mauzi.

Zum Foto schaut die schwarz-weiße Katze mit Namen Feigling kurz auf. Fast könnte man meinen sie würde sagen wollen „Lass mich jetzt in Ruhe, ich will schlafen.“ Dazu hat sie sich ihren Lieblingsplatz ausgewählt: den alten Holzwagen, der am Gebäude der Verwaltung steht. Nach der anstrengenden Nacht braucht sie Erholung. Zusammen mit ihrer Schwester ist Mauzi 2009 ins Gefängnis an die Eimterstraße in Herford gekommen. Nicht zur Strafe, sondern mit einem Auftrag. Mäuse sollten die beiden Katzendamen auf dem Gelände fangen und evtl. Ratten verjagen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Feinvergitterung. Essensreste wurden oft von den Gefangenen aus dem vergitterten Fenster geworfen. Die zwei Katzen haben in Sachen Nagetiere Abhilfe geschaffen. Der ehemalige Werkdienstleiter, Reinhold Krause, hatte die Idee. Im Bauhof wurde eine Rampe gebaut, damit die beiden Katzen ins Gebäude der Maurerausbildung gelangen konnten. Mittlerweile sind die beiden Vierbeiner im Verwaltungsgebäude angesiedelt. Hier haben sie ihre Katzenecke und werden von den MitarbeiterInnen liebevoll umsorgt. Die Katzen kennen sich in der Anstalt aus. Sie kommen unter den Zäunen hindurch. Wie so mancher jugendlicher Gefangener sind sie besonders nachts aktiv.

Vom Drogenspürhund geflüchtet

Den Inhaftierten begegnen die Katzen nur sporadisch. Beispielsweise wenn sie zum Besuch über den Vorhof gehen. Oder sie beobachten diese aus dem Haftraumfenster. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Manche Gefangene zeigen ihnen die kalte Schulter. Andere sorgen sich um die Katzen und gehen auf sie zu. „Die Katze lässt sich nur streicheln, wenn man ihr dementsprechend begegnet“, sagt eine Bedienstete. Einmal ging es für die schwarz-braune Katze nicht so gut aus. Routinemäßig kommen alle Monate Drogenspürhunde der Justiz Nordrhein-Westfalen in die JVA. Als einer der Spürhunde der Katze hinterher will, flüchtet diese panikartig durch ein geöffnetes Kellerfenster. Dort blieb sie stecken. Sie musste durch Bedienstete befreit werden. Stundenlang versteckte sie sich anschließend unter einem Container. Sorgenvoll wurde gefragt, wo die Katze geblieben ist. Erst später ist die gefunden worden.

Katze als Schimpfwort?

Im Jugendvollzug des Landes Sachsen-Anhalt gehört „Katze“ unter den Inhaftierten zu den Wörtern, die beleidigend sind. Damit wird umgangssprachlich eine hinterlistige (weibliche) Person vermutet. In Herford kann davon keine Rede sein. Mauzi und Feigling gehören seit Jahren ganz selbstverständlich zum Kreis der Bediensteten. „Sie haben unbeschränkten Hofgang“, sagt ein anderer Jugendlicher schnippisch. Andere Jugendliche beginnen sogleich von sich zu erzählen, z.B. ob sie zu Hause Katzen haben oder sie versuchen, die Katzen durch das Rascheln einer Tüte, zu sich zu locken. Nachts gehen die Katzen oft zusammen mit den Beamten auf ihren Kontrollrunden mit. Ob das auch Mäuse und Ratten beeindruckt? „Früher hatten wir zumindest deutlich mehr Probleme mit den Nagern“, sagt der ehemalige Anstaltsleiter. Der eine oder andere Bedienstete ärgert sich über den Katzenkot, den die beiden Katzen aufgrund der asphaltierten Mauerumfahrung nicht verscharren können. „Aber das ist wie vieles andere kein Aufreger mehr. Die Häufchen werden von der Hofkolonne kommentarlos entsorgt“, sagt der Bedienstete und lacht.

Michael King | JVA Herford

 

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