Ein Bild für Trostlosigkeit? Geknickt: Etwas stand in voller Blüte, kräftig, vital, stabil, selbstbewusst, aufrecht. Glimmen: Da war mal Feuer und Flamme, ein Brennen für Ideen, Themen, Menschen. Geknickt – glimmend. Beide Worte bezeugen eine Vergangenheit voller Energie. Und nun hält nur noch wenig am Leben oder im Leben. Keine Reserven. Es fehlt nicht viel und alles ist erloschen oder zerbrochen.
Nicht zu Lasten der Fragilen
In diesem Zusammenhang lässt der Prophet Jesaja den Gottesknecht auftreten. Ein Leisetreter. Kein Paukenschlag. Unauffällige Präsenz. Niemand, der sagt: Schaut her, hier bin ich. Niemand, der auf sich aufmerksam macht, niemand, der sich darstellt. Und vor allem: Seine Botschaft geht nicht zu Lasten des Fragilen und Zerbrechlichen. „Das lohnt nicht mehr“ hört niemand von ihm. Er tritt nicht nach, wenn jemand schon am Boden liegt, haut nicht drauf, wo alle drauf hauen, stimmt nicht ein in den Chor der Lauten, die rufen: Das hat keinen Sinn. Lösch es aus. Mach dem Elend ein Ende.
Stimme erheben
Jesaja scheint es wichtig, das „nicht“ zu betonen: Nicht schreien, nicht lärmen, nicht zerbrechen, nicht auslöschen. Es läge ja so nahe: Die Stimme erheben, um sich durchzusetzen, Ellbogen zeigen und Präsenz markieren. So geht das – auch und gerade heute noch. So machen das die meisten, so baut man Karriere auf. Die Welt, in der wir leben, wird von wenigen Menschen dominiert, von Führungskräften, die in ihren Positionen Macht und Autorität zeigen und sich immer wichtig fühlen in dem, was sie tun und „über Leichen“ gehen.Der Prophet meint: Der ist Gottesknecht, der oder die ist erwählt, die das nicht tut, der ist Gottesknecht, der oder die ist erwählt, die einen anderen Fokus hat, die das Zerbrochene, nur noch Glimmende nicht übergeht.
Zerbrechlichen eine Chance
Welch eine Botschaft: Zeichen der Erwählung ist der Blick auf das Schwache und die Schwachen, Zeichen der Erwählung sind Behutsamkeit und Gewaltlosigkeit. Bei der Erzählung von der Taufe Jesu scheint der Evangelist daran anzuknüpfen. „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.“ Ein Hinweis auf die Rede vom Gottesknecht beim Propheten: „Seht das ist mein Knecht, den ich stütze, an ihm finde ich Gefallen.“ Matthäus meint, Jesus erfüllt, was Jesaja schreibt. Jesus ist nicht der große Durchgreifer, er ist nicht die Donnerstimme Gottes, er mistet nicht aus, sondern räumt dem Zerbrechlichem und scheinbar Verlöschendem eine Chance ein. Ich höre die Botschaft: Nicht aufgeben.
Liebe stärker als Gewalt
An Licht glauben, auch wenn es nur glimmt, an Blüte glauben, auch wenn so viel welk ist, an Halt glauben, auch wenn so viel Haltloses da ist. Die Rede vom Gottesknecht, die Botschaft von der Auferstehung sagt: Sanftmut siegt. Oder mit Worten von Hermann Hesse: Weich ist stärker als hart, Wasser stärker als Fels, Liebe stärker als Gewalt. Die Welt wird nicht von denen verändert, die auf der Straße schreien – zumindest nicht hin zum Guten; was wirklich die Welt verändert, ist die Macht der Liebe. „Das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: Unser Glaube, dass Gott uns liebt!“ Schreibt der erste Johannesbrief. Liebe verändert Welt und Leben, der Glaube daran, Gottes geliebtes Kind zu sein vor allem.Dieser Glaube sieht den Himmel offen und eine Zukunft für alles, was gekickt erscheint oder nur noch glimmt.
Bernd Mönkebüscher






