Das Wort „Diábolos“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Durcheinanderbringer“. Der Diábolos entzweit und verstellt den klaren Blick von Einsicht und Weisheit und versucht das, was ist, durcheinanderzubringen. Dabei ist er zunächst nur ein Gedanke, der im Geist auftaucht und sich anbietet, wir müssen ihn also nicht persönlich nehmen. Allerdings macht er sich ziemlich wichtig, er verkleidet sich gern als die eigentliche Wahrheit oder das Wichtigste im Leben, als den absoluten Gewinnbringer.
Deswegen kann es schwerfallen, Diábolos Stimme als solche zu erkennen und nicht sofort auf sie reinzufallen. Wenn das geschieht, entfacht Diábolos ein unheilvolles Verhalten, denn sein Ursprung ist die Gier. Zum ersten Fastensonntag werden wir an diese verführerische Stimme im Menschen erinnert, und das auch noch im Leben einer sehr prominenten Person, in der kaum mit einem Diábolos zu rechnen war. Aber Jesus, den es hier betrifft, war eben auch einfach ein Mensch. Das Evangelium erzählt, wie er in der Wüste unterwegs war, was für eine Zeit des Aufbruchs steht, des Suchens und Erkennens, eine Krisenzeit, die immer auch eine Zeit der inneren Reinigung ist. Darin bewegt sich der Mensch ausgesetzt und verletzlich – die ideale Gelegenheit für den Diábolos. So kam er mit drei sehr menschlichen Versuchungen zu Jesus:

Schnell mal Bedürfnisse befriedigen
„Wenn du Gottes Sohn bist“, sagte er zu Jesus, „so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“. Der angesprochenen Person schmeichelnd startet sein erster Versuch mit dem Gedanken, es wäre ganz hilfreich und würde aus allen momentanen Sorgen befreien, wenn statt Steinen Brot da wäre, wenn statt Krieg Frieden wäre, wenn statt AfD nur demokratische Parteien wären, wenn statt Familienstreit Harmonie wäre, wenn statt Einsamkeit Verbundenheit wäre, statt Krankheit Gesundheit – kurz gesagt: wenn unsere Bedürfnisse mal schnell befriedigt wären. Jesus verwarf diesen Gedanken mit dem Hinweis auf das Leben, das sich nicht nach menschlichen Bedürfnissen richtet, sondern aus göttlicher Quelle genährt ist. Wüstenzeiten, Zeiten des ausgesetzt Seins und der Verwundung können vor dem Hintergrund zu kostbaren Erfahrungen eines neuen Aufbrechens werden mit der Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist.
Meinung sei Gottes Wahrheit
Dann führte Diábolos Jesus oben auf das Dach des Tempels und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab“. Er zitierte dabei die Bibel – ein geschickter Schachzug des Diábolos, der sich in die Gedankenwelt seiner Opfer gut hineinversetzen kann – mit den tröstenden Versen, dass die Engel Gottes den Gestürzten sicher auffangen. Mach etwas Außergewöhnliches und stelle es dar als Gottesbeweis, beginne einen Krieg im Namen Gottes, behaupte, deine Meinung sei Gottes Wahrheit, dein Wille sei Gottes Wille. Sehr klar durchschaute Jesus auch diesen Versuch und antwortete: „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen“. Verwechsle dich nicht mit Gott, beachte deine eigenen Grenzen, dein Scheitern, dein Angewiesensein auf Unterstützung und Versöhnung. Erst so erfährst du, wie es ist, getragen zu sein.
„Ich will“ im Kleinen und Großen
Den dritten Versuch machte Diábolos mit Jesus auf einem hohen Berg, er zeigte ihm alle Reiche dieser Welt und sagte: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest“. Das ist die tiefste menschliche Versuchung, sie gilt der Gier. Und sie beginnt mit jedem „Ich will!“ – im Kleinen wie im Großen. „Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan!“ Die Gier entlarvte er als etwas Teuflisches, sie schafft Zerstörung und beginnt damit im Herzen der Person, die sich ihr ergibt. Zu Beginn der Fastenzeit erinnert uns das Evangelium mit dieser weisen Erzählung von der Versuchung Jesu an unser Vermögen von Einsicht und Weisheit und fragt nach unserer eigentlichen Berufung: Wozu bin ich unterwegs? Wann ist es dran, Stopp zu sagen? Nicht jeder Gedanke, den der eigene Geist entwickelt, dient der Einsicht und Weisheit. Es lohnt sich innezuhalten zwischen den eigenen Bedürfnissen und deren sofortiger Befriedigung und neu hinzuschauen zur Unterscheidung der Geister. Möge diese Fastenzeit reichlich Gelegenheit dafür bieten.
Christoph Kunz | Matthäus 4. 1-11





