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Wo ist eigentlich Papa? Inhaftierte Väter in Coronazeit

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Rund 560 Männer sind derzeit in der Justizvollzugsanstalt Freiburg/Breisgau inhaftiert. Viele von ihnen haben Frauen und Kinder. Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie konnten diese ihre Partner und Väter nur zeitlich begrenzt besuchen. Während der Corona-Zeit wurden die Besuchsmöglichkeiten zusätzlich eingeschränkt. Die Kinder der Inhaftierten trifft das besonders hart, weiß Monika Fröwis vom Katholischen Verband für soziale Dienste (SKM). Gemeinsam mit ihrem Team will sie insbesondere auch in Pandemie-Zeiten für die Inhaftierten und ihre Familien da sein.

Wenn plötzlich die Polizei vor der Tür steht, um einen Familienvater abzuholen, „bricht für viele Frauen erstmal die Welt zusammen“, erklärt die Sozialarbeiterin. Im Rahmen ihrer Arbeit für den SKM begleitet und unterstützt sie Angehörige von Inhaftierten der JVA Freiburg. Für die Kinder der Gefangenen ist Fröwis zufolge „das größte Problem, dass das Thema Inhaftierung des Vaters in der Regel tabuisiert wird“. Viele Mütter verschweigen ihren Kindern, wo sich der Vater aufhält. Stattdessen erzählen sie ihnen zum Beispiel, der Vater sei gerade beruflich im Ausland unterwegs oder auf Kur. „Gleichzeitig spüren die Kinder: das stimmt nicht“ und sind mit der Frage „Wo ist eigentlich der Papa?“ auf sich alleine gestellt, weiß die Sozialarbeiterin. Sie empfiehlt ihren Klientinnen daher grundsätzlich, ihren Kindern und auch Schule und Kindergarten gegenüber ehrlich zu sein und von der Inhaftierung des Vaters zu berichten.

Besuche in Zeiten von Corona

Werden Väter so plötzlich von ihren Familien getrennt, sind Besuche für beide Seiten umso wichtiger. Durch die Corona-Pandemie wurden die Besuchszeiten aber stark eingeschränkt. Die Inhaftierten dürfen nur noch einmal im Monat Besuch von einer erwachsenen Person empfangen. Für Kinder gibt es „gar keine Chance, noch mit rein zu kommen in die Besuchsabteilung“, erklärt Fröwis. Ihnen bleibt nur die Möglichkeit, einmal im Monat eine Stunde lang mit ihren Vätern ein Videotelefonat zu führen. Dabei ist es für beide Seiten, Väter wie Kinder, von großer Bedeutung, dass der Kontakt während der Haftzeit bestehen bleibt, so Fröwis. Sie hat deshalb zusammen mit Martin Vrana, dem katholischen Gefängnisseelsorger der JVA Freiburg, gerade ein Vorleseprojekt ins Leben gerufen. Die Väter lesen eine Geschichte vor, die aufgenommen und auf CD gebrannt an die Kinder weitergegeben wird.

Psychosoziale Hilfe während der Corona-Pandemie

Neben solchen Aktionen leisten Monika Fröwis und ihr Team ganz praktische psychosoziale Hilfe. Dazu gehört auch die finanzielle Unterstützung der Angehörigen, wenn beispielsweise bestimmte Anschaffungen anstehen, die diese nicht selbst finanzieren können. Für den Fall, dass es zu erneuten Schulschließungen kommen sollte, wurden zwei Familien vor Kurzem mit Laptops für den Unterricht der Kinder ausgestattet. Vor Corona wurden für die betroffenen Familien regelmäßig Ausflüge, zum Beispiel in den Europapark, organisiert und finanziert. Da dies während der Pandemie nicht möglich ist, hat die Sozialarbeiterin zur Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr begonnen, Corona-Care-Pakete für die Angehörigen zu packen. Darin enthalten waren Lebensmittel, Süßigkeiten und Spiel- und Bastelangebote für die Kinder. Diese Pakete brachte Fröwis den Familien persönlich vorbei und nutzte die Gelegenheit, sich mit ihnen im Freien oder am Fenster kurz zu unterhalten. So versucht die Sozialarbeiterin auch während der Corona-Pandemie, „den Familien das Gefühl zu geben, sie sind nicht vergessen und sie sind nicht allein in der Situation.“

Anja Neu, Erzbistum Freiburg | SKM 

 

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