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Die Winterzeit ist zu Ende und was kommt dann?

Mit brennendem Herzen fragend im Leben unterwegs
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Ermutigender Blick auf die gegenwärtige Weltlage
26. März 2020

Strahlend blauer Himmel und Winteridylle. Die Natur magisch und märchenhaft. Aufnahme auf dem Feldberg im Schwarzwald am 22. März. Foto: A. Bauer-Wunderle.

Die Uhr wird wieder umgestellt am Wochenende. Allerdings können wir nur mit sozialer Distanz an der gegenwärtigen Corona-Realität drehen. Die Zeit und die Wirklichkeit bleiben wie sie sind. Die Winterzeit ist zu Ende. Es folgt wie jedes Jahr die Sommerzeit. Und doch ist vielen überhaupt nicht frühlingshaft und sommerlich zumute. Coronazeit. „Wir sind bei Euch“ – Im Radio, Fernsehen und Printmedien. Corona-Ticker. Die Zeit tickt. Angesicht der massiven Bedrohung durch das Virus. Ausnahmezustand.

Könnten wir doch nur die Zeit umstellen auf die Zeit vor diesem Virus. Dann wäre die Welt wieder in Ordnung! Solch eine Aussage höre ich als Gefängnisseeelsorger immer wieder von straffällig gewordenen Jugendlichen: „Könnte ich doch die Zeit zurückdrehen“. Ja, manchmal wäre das gut. Doch wir können uns drehen und wenden wie wir wollen. Es kann nichts zurückgedreht werden. Auch die Zeit nicht. Wie umgehen mit den schockierenden Nachrichten, der eröffnenden Diagnose, dem Mist-gebaut-haben oder der schmerzhaften Trennung meiner Partnerin? Nach einer ersten Schockstarre vielleicht geschäftiges Tun, den möglichen Schaden zu begrenzen, zu hadern oder zu verleugnen. Alles Lösungsansätze, die verständlich sind. Irgendwann kommt der Punkt – the point of no Return – entweder ich stelle mich dem Ganzen oder ich gehe unter.

Erste Knospen der Bäume an der Pfarrkirche St. Martin in Seefelden, Gemeinde Uhlendingen am Bodensee. Foto: A. Hartmann

Bei allen Verboten in dieser Krise wird gesagt, dass wir allein, zu Zweit und als Familie durchaus draussen den Beginn einer neuen Jahreszeit genießen sollten. Trotz Coronapandemie, trotz der Widrigkeiten und trotz täglicher schlechter Nachrichten. Es kommt garantiert der Frühling. Davon ist auszugehen. Am meisten lernen wir leider, wenn es schmerzhaft ist. Es muss nicht immer so sein und es soll auch nicht immer so sein. Ich und Sie können an vielen Schrauben drehen. Es ist wichtig, gut mit der Situation umzugehen, nötige Maßnahmen zu ergreifen und nicht egoistisch wie die der Hamsterkäufe zu handeln.

Davon ist auch in den Nachrichten die Rede: Die Balkonkonzerte, der Einsatz der PflegerInnen und Ärzte oder die HelferInnen, die für andere einkaufen. Die Bediensteten in den JVA´en, die trotz des hohen Krankenstandes die Inhaftierten als Menschen behandeln und nicht alle Distanz verlieren. Manches kann ich nicht ändern. Manche Strukturen und Gegebenheiten muss ich aushalten. Und manches Mal kann und muss ich meine Sicht korrigieren. Die Coronakrise macht mir – wie vielen anderen auch – Angst. Ich darf mich aber davon nicht leiten lassen. Ich hoffe und wünsche mir, dass diese schwere Zeit Knospen hervor bringt, die vielleicht völlig neue, uns noch unbekannte Blüten für unsere Zukunft in sich birgt? Wünschen wir uns bestärkende Momente und sehen auch all die Wunder des Winters und des Frühlings.

Michael King | JVA Herford

 

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