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Wertschätzung, Rock ‘n’ Roll und Tsatsiki

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Der Fuldaer Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez besucht die osthessische Justizvollzugsanstalt Hünfeld. Mit einem kleinen Auto – ähnlich dem ‚Papamobil‘ von Papst Franziskus – fährt er selbst in die JVA Schleuse hinein. Dort erwarten ihn die Gefängnisseelsorger Pfarrer Franz Hilfenhaus, Diakon Dr. Meins Coetsier und die Sozialarbeiterin Cornelia Liese. Der Leitende Regierungsdirektor, Lars Streiberger, spricht als Anstaltsleiter seine Freude und Wertschätzung über den Bistumsbesuch aus und heißt den Bischof hinter den Mauern herzlich willkommen.

Es ist mittlerweile Tradition, dass Weihbischof Diez Gefängnisse in Hessen besucht. Im Sommer war er zur Freude aller Beteiligten in der JVA Fulda. Nun sind es die Gefangenen und die MitarbeiterInnen der Justizvollzugsanstalt Hünfeld, denen er während des Sommerfestes in der Sporthalle und auf dem Außensportfeld begegnet. Der Weihbischof würdigt in den Gesprächen das Engagement der Bediensteten. Mit den Gefangenen spricht er unvoreingenommen. Seine Botschaft: „Ihr seid uns wichtig, wir haben Euch nicht vergessen“ kommt bei den Inhaftierten gut an.

Mit seinem VW Polo fährt Weihbischof Prof. Dr. Karheinz Diez in die Schleuse der Justizvollzugsanstalt Hünfeld.

Der Anstaltsleiter Lars Streiberger erläutert dem Bischof, dass derzeit in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld über 450 Männer inhaftiert sind. Die Höhe der Haftstrafen liegen in der Regel bis zu fünf Jahren. Beim Rundgang durch die JVA unterhält sich der Bischof mit Sicherheitsdienstleiter Uwe Möchel. Der Tagesablauf und das Sicherheitskonzept des Gefängnisses interessiert den Bischof besonders. Sportwissenschaftler Alexander Gräber, der zusammen mit den Kollegen Stefan Martin und Sportübungsleiter Jörg Heß die Sportabteilung koordiniert, erzählt von der bedeutenden Rolle des Sports im Vollzug. Ein spannendes Fussballspiel in der Sporthalle, wo im selben Augenblick ein Tor fällt, begeistert den Bischof. Wie bei einer Weltmeisterschaft steigert sich unüberhörbar die Geräuschkulisse.

Interreligiöser Dialog beim Sommerfest

Das Gespräch mit Imam Wafaa Essiaghi gehört für den Bischof zum interreligiösen Dialog und der Begegnung in der JVA dazu. Gemeinsam mit dem Anstaltsleiter eröffnen sie auf dem Außensportfeld das zweitägige Sommerfest. Nach einer kurzen Ansprache überreicht Diez dem Anstaltsleiter ein kleines Holzkreuz – stellvertretend für alle Inhaftierten und Bediensteten der JVA Hünfeld. Viele HelferInnen organisieren jährlich das Sommerfest. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen, Vorstandsmitglieder des Fördervereins und die MitgliederInnen des Anstaltsbeirates sind eingeladen. Die Anstaltsküche bereitet eigens dafür ein internationales Essen. Zusätzlich zur normalen Mittagskost gibt es eine Portion Geflügel-Gyros mit Krautsalat, Tsatsiki und Fladenbrot.

Auf Einladung von Diakon Dr. Meins Coetsier mit Unterstützung der Vorsitzenden des Fördervereins, Claudia Heim, spielt eine Live-Band. Die „Shotgun Joes“ erklären sich bereit, das Knast-Konzert zu geben. Während die Sonne sich ab und zu blicken lässt und die Gefangenen sich austauschen, sorgt die Band mit ihrem Rock ‘n’ Roll für gute Laune. Tonsicher und engagiert überzeugt Sänger Lukas Ballweg mit seinem abwechselnd Folk- und Rock Stil. Der Mann am Cajon, Benjamin Lips, und Alex Bornträger der Bassgitarrist sind voll im Schwung. Tilo Zschorn, ein erfahrener Gitarrist der Band, improvisiert zusammen mit Diakon Coetsier lebendige Gitarrenriffs, Intermezzos und Solos bei der Zugabe „All along the Watchtower.“

Dankbar und angetan verabschiedet sich der Weihbischof von den Gefangenen und dem Anstaltspersonal. In Begleitung von Pfarrer Franz Hilfenhaus steigt er in sein kleines ‚Papa-Polo-mobil‘. Klopfend wie an den Himmelstüren gehen die massiven Gefängnistore auf und entlassen den Bischof in die Freiheit.

Meins Coetsier | JVA Hünfeld