In der Justizvollzugsanstalt Lübeck war es wieder soweit: Mit Gitarren, Cajon und einem Vibrafon sind Alex Vergara aus Venezuela und Sergio Fernandez aus Peru mit einem vielseitigen musikalischen Programm zu Gast hinter den Mauern gewesen. 30 inhaftierte Männer aus der schleswig-holsteinischen Anstalt konnten sich für das Konzert anmelden, das eine Stunde dauerte und von Bediensteten begleitet wurde.
Die beiden Musiker sind mit sattem Applaus belohnt worden. Musik heilt, tröstet und bringt Freude – das ist das Motto des Straffälligenhilfe-Vereins. Die Musiker ihrerseits erleben ein Konzert an einem besonderen Ort mit einem Publikum, dass sich wie jedes andere Publikum verhält! Sie erleben Menschen, die sich über die Musik freuen und begeistert mitgehen.
Inhaftierte für Gesellschaft befähigen
GefängnisseelsorgerInnen werden häufig mit der Frage konfrontiert: „Darf man Verbrechern und Kriminellen etwas so Gutes zukommen lassen?“ Wer eine lange Haftzeit in der JVA verbringen muss, braucht gute Erfahrungen und einen Ausblick auf das, was in seinem und in ihrem Leben noch möglich ist. Das Leben in der JVA ist sehr eingeschränkt – es ist ein Freiheitsentzug. Gleichzeitig sollen die inhaftierten Männer und Frauen aber befähigt werden, sich nach der Strafe sozial zu verhalten und sich in der Gesellschaft zurecht finden. Dies geht allerdings nur, wenn sie schon während der Haft vertrauensvoll und würdig behandelt werden. Dieser „Vorschuss“ an Vertrauen und Menschenwürde ist notwendig, damit inhaftierte Menschen die Gesellschaft nicht nur „feindselig“ sich gegenüber wahrnehmen.
Nicht vergessen sein
Denn die Gesellschaft geht mit ihnen nicht einfach um: es ist viel schwerer Wohnung zu bekommen oder Arbeit zu finden. Mißtrauen begleitet ihren Lebensweg, manchmal ein Leben lang. Mißtrauen aber fördert kein gutes Miteinander. „Ich erlebe, dass viele Inhaftierte sehr dankbar sind für diese sozialen, kulturellen und sportlichen Sonder-Veranstaltungen, weil sie damit das Gefühl bekommen, nicht nur vergessen zu werden, sondern menschlich behandelt werden“, sagt die Gefängnisseelsorgerin Martina Zepke-Lembcke „Wer menschlich behandelt wird, kann selber besser menschlich handeln (lernen). „Das ist zumindest meine Hoffnung und mein Anliegen, wenn ich helfe, diese Konzerte zu organisieren“, führt die Pastorin weiter aus.
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