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Wasser des Neckars als Gedenkort für verstorbene Drogengebrauchende

27. Juli 2026

In der baden-württembergischen Stadt Heilbronn wird der jährliche Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am 21. Juli seit 25 Jahren begangen. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen und Besucher der Kontaktladens, einer niederschwelligen Einrichtung für drogenabhängige Menschen, haben die Namen derer, die seit dem letzten Gedenktag verstorben sind, an einer Schnur befestigt. Sieben sind es in diesem Jahr.

 

„Sieben Menschen, die wir gekannt haben, von denen wie wissen“, betont eine Mitarbeiterin. „Vermutlich sind mehr verstorben, deren Namen aber unbekannt bleiben.“ Das Wasser des Neckar im Hintergrund der Namensschilder strahlt Ruhe aus. Freunde der Verstorbenen schreiben Zettel mit Wünschen und Gedanken, hängen sie dazu, befestigen Rosen neben den Namen. Die Stimmung ist ruhig, nachdenklich. Auch Passanten bleiben stehen, lesen die Plakate, die Namen, stellen Fragen. Viele sind betroffen, erzählen manchmal  von Suchtgeschichten in der eigenen Familie und im Bekanntenkreis.

Dies ist das Ziel der Initiatoren, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, die Geschichten hinter den Namen sichtbar zu machen. Im Jahr 2025 gab es in Deutschland 2150 registrierte drogenbedingte Todesfälle. Fast jeder vierte Tote war unter 30 Jahre alt. Kriminalisierung hilft hier nicht weiter. Überlebenshilfen, wie z.B. Drogenkonsumräume oder mehr Drug Checking Angebote, bei denen Konsumenten ihre Substanzen legal auf ihre tatsächlichen Inhaltsstoffe überprüfen lassen können, wären häufig lebensrettend.

Hintergrund

Der Internationale Gedenktag für verstorbene DrogengebraucherInnen geht auf Karin Stumpf zurück, die sich mit Hilfe der Stadt Gladbeck dafür einsetzte, für ihren Sohn und andere verstorbene Konsumenten einen Gedenkort zu schaffen. Am 21. Juli 1998 fand dort das erste öffentliche Gedenken für an Drogen verstorbene Menschen statt. Mittlerweile beteiligen sich viele größere und auch kleinere Städte jedes Jahr am 21. Juli mit Kundgebungen und Aktionen. Neben der Trauer um die Verstorbenen geht es um Forderungen nach aktiverer Suchtprävention, akzeptierender Drogenpolitik und besserer Überlebenshilfe. Der ursprünglich nur in Deutschland begangene Tag hat sich über die Jahre zu einem jährlichen internationalen Gedenktag entwickelt, der das Leben der Verstorbenen noch einmal in den Mittelpunkt stellt, das Leben von Menschen, die auf Grund ihrer Sucht ständig mit Stigmatisierung zu kämpfen hatten.

Ute Müller-Dieterle | JVA Heilbronn

 

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