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Strafvollzug in verschärfter Form?

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Zum allerersten Mal traf sich im April 2018 die Arbeitsgemeinschaft Sicherungsverwahrung (SV) in Schwalmstadt (Nordhessen). Genauer gesagt: Eigentlich trafen sich zwei Arbeitsgemeinschaften zum selben Thema an einem Ort. Und erfreulicherweise kamen 12 KollegInnen zusammen, die sich austauschen wollten. Vor Ort erwiesen sich Michael Kullinat und Peter Kittel als gute Gastgeber, die alles nötige vor Ort organisiert hatten.

Sehr umfangreich konnten wir mit dem, für die Sicherungsverwahrung zuständigen Abteilungsleiter, Herrn Tienes, sprechen, der schon zu Beginn auf eine sprachliche Schwierigkeit verwies: Wir machen jetzt umfangreiche Behandlung-(svollzug) in der Verwahrung. Und diese begriffliche Widersprüchlichkeit lässt schon etwas von den Schwierigkeiten erahnen.

Die JVA Schwalmstadt ist ein „Gemischtwarenladen“ von Normalvollzug, Sicherheitsabteilung, Seniorenvollzug und eben der Zuständigkeit für die Vollstreckung der SV für die Bundesländer Hessen (45 Plätze) und Thüringen (15 Plätze), die derzeit mit 51 Männern belegt ist. Darüber hinaus gibt es in Hessen 16 Männer in der zentralen Sozialtherapie in Kassel. Das heißt, bei Rückverlegung hätte auch Hessen ein Kapazitätsproblem. (Dieses Problem gibt es in Niedersachsen, weshalb eine Einrichtung SV für mobilitätseingeschränkte Verwahrte eröffnet wurde; dies Problem hat Nordrhein-Westfalen, deren Plätze von 140 SVern zum Ende des Jahres belegt sein werden. Ausdrücklich nicht hat dieses Problem Bayern, die sehr zielstrebig alle Menschen vor Antritt der SV zu entlassen suchen.)

Herr Tienes hält die SoThA für die bessere SV und es kommt so zu einer Zweistufigkeit, die auf ein grundsätzliches Problem in der SV aufmerksam macht: Gibt es einen Stamm, auf dem wir sitzen bleiben werden – oder gibt es den nicht, weil alle Menschen irgendwann therapeutisch erreicht werden können? Sein Vorgesetzter, der Anstaltsleiter Bachmann ist da schwer optimistisch; Herr Tienes eher nicht. In einem späteren Gespräch wurde genau noch einmal auf dieses Phänomen eingegangen. Die jeweilige Voreinstellung sorgt für einen unterschiedlichen Umgang mit den Männern und bestimmt wahrscheinlich auch die Größe des Restes, der für nicht erreichbar angesehen wird. Herr Tienes geht einem Drittel aus.

Das sorgt für eine resignative Stimmung und verdirbt das Milieu für eine therapeutische Ausrichtung. Das ist das Problem, das daraus vor Ort in der Arbeit mit den SVern entsteht, obwohl man in Schwalmstadt bemüht zu sein scheint, alle Therapieformen, die der Markt bietet zu realisieren. Im letzten Jahr waren es dann zumin-dest fünf Entlassungen. Die Teilnehmenden der AG haben sich von den Räumlichkeiten der SV ein Bild machen können. Gerade das Innere des Gebäudes mit Fluren ohne Tageslicht und die Sichtblenden vor einem Teil der Fenster bedrückte nachhaltig.

Der Austausch über die eigenen Erfahrungen in der Arbeit mit den SVern brachte einiges an Gemeinsamkeiten zu Tage: „Der Sver meldet sich nicht!“ Und es ist somit zumeist eine aufsuchende Arbeit nötig. Und es wurde festgehalten: Das, was wir mit den SVern erleben, ist Strafvollzug in verschärfter Form!

 

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