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Ukraine ist Opfer einer Aggression seines größeren Nachbarn

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Anlässlich der Ausweitung und Eskalation der Russland-Ukraine-Krise nimmt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing, Stellung zu den besorgniserregenden Entwicklungen. Er bezeichnet die gegenwärtigen Lage als Angriff auf die Ukraine. „Die Ukraine ist das Opfer einer Aggression seines größeren Nachbarn, der die Sphäre seiner Herrschaft ausweiten will“, so Bätzing deutlich. Er appelliert an die Partner der Ukraine, eine Politik der Stärke und der Konsequenz mit Augenmaß und der steten Bereitschaft zu fairen Lösungen zu verfolgen.

Die Russische Föderation hat die von der Ukraine abtrünnigen Gebiete, die sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk, anerkannt und erhebliche Truppenteile dorthin entsandt. Dies ist ein Angriff auf die Ukraine, und die Wahrscheinlichkeit, dass es dort zu einem großen Krieg kommt, ist gewachsen. Vieles deutet darauf hin, dass die jetzigen Entscheidungen nur ein Schritt auf dem Weg zu einer weiteren Eskalation sind. In jedem Fall gehört es zur Wahrheit, die auch in diesem Moment laut ausgesprochen werden muss, dass sich in diesem Konflikt nicht zwei Staaten gegenüberstehen, die in vergleichbarer Weise den Gang der Dinge verschuldet hätten. Die von Russland ins Feld geführten Sicherheitsbedürfnisse können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Angriff nicht von der Ukraine provoziert wurde. Die Ukraine ist das Opfer einer Aggression seines größeren Nachbarn, der die Sphäre seiner Herrschaft ausweiten will. Die militärischen Maßnahmen stellen eine gravierende Verletzung der Souveränität und der territorialen Integrität dieses Landes dar.

Kiew, Ukraine, bunte Reifen, das Berehynien-Denkmal

Entscheidende Gegenmaßnahmen

Die Menschen in der Ukraine sollen in dieser Stunde wissen, dass alle, denen Frieden und Freiheit am Herzen liegen, an ihrer Seite stehen. Zwar darf es keine zusätzliche Gefährdung des Weltfriedens durch eine Beteiligung weiterer auswärtiger Mächte an den militärischen Auseinandersetzungen geben. Aber die westlichen Länder würden ihre Glaubwürdigkeit einbüßen, sie würden Verrat nicht nur an der Ukraine, sondern auch an den eigenen Werten und am europäischen Projekt üben, wenn sie nicht bereit wären, entschiedene Gegenmaßnahmen zügig und in großer Einmütigkeit auf den Weg zu bringen. Auch die Bevölkerung in unserem Land wird manche Härten hinnehmen müssen, wenn nicht jegliche Chance auf eine Neubesinnung in Russland von vornherein verspielt werden soll.

Gewaltfreie Strategien vorziehen

Christen glauben nicht daran, dass der Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt die Welt zu einem besseren Ort macht. Gewaltanwendung kann nur die Ultima Ratio sein, wenn den Schwachen gegenüber den Starken nicht anders zu helfen ist und eine reale Möglichkeit besteht, auf diese Weise tatsächlich eine grundlegende Verbesserung zu erreichen. Gewaltfreie oder gewaltärmere Strategien sind deshalb der Gewalteskalation immer vorzuziehen. Auch an diesen Grundsatz muss in der gegenwärtigen Situation, in der es darum geht, einer illegalen Invasion entgegenzutreten, erinnert werden – ohne dass damit Feigheit, Tatenlosigkeit und Desinteresse unter einer Maske der Moral versteckt werden dürfen. Wir appellieren an die Partner der Ukraine, eine Politik der Stärke und der Konsequenz mit Augenmaß und der steten Bereitschaft zu fairen Lösungen zu verfolgen.

Erschüttert über Invasion

Angesichts des Einmarsches der russischen Armee in der Ukraine fordern die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Deutsche Bischofskonferenz eine sofortige Beendigung der Invasion, die Beachtung des Völkerrechts sowie konkrete Friedensbemühungen aller Beteiligten. „Wir sind erschüttert über die aktuelle Entwicklung und rufen die Russische Föderation dazu auf, weitere Aggressionen zu unterlassen. Russland muss die militärischen Angriffe unverzüglich stoppen und die territoriale Integrität der Ukraine vollumfänglich anerkennen. Der Angriff Russlands auf die Ukraine gefährdet das Friedensprojekt Europa. Wir wissen uns ökumenisch in dieser angespannten politischen Lage miteinander verbunden und sind in Gedanken bei den Menschen in der Ukraine. Die Ukraine mit ihrem reichen Kulturerbe hat ein Recht auf nationale Selbstbestimmung, die in diesen Tagen mit Füßen getreten wird. Als Christen glauben wir, dass Frieden möglich ist und verschlossene Türen wieder geöffnet werden können“, so Präses Kurschus und Bischof Bätzing. Gemeinsam rufen sie auf, für die Opfer der Gewalt und mit ihnen zu beten.

Dr. Georg Bätzing

 

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