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Lisa-Janina Dyck arbeitet seit über sieben Jahren als Psychologin im Maßregelvollzugszentrum. Die 36-Jährige ist Ansprechpartnerin für 400 Patienten im niedersächsischen Moringen im Landkreis Northeim. Das in der Trägerschaft des Landes stehende Maßregelvollzugszentrum Niedersachsen (MRVZN) gliedert sich in drei Kliniken für forensische Psychiatrie und Psychotherapie.

Die Göttingerin hat im Vergleich zu ihren Kollegen eine Besonderheit: Sie ist sehbehindert. In die Ferne könne Dyck gut blicken. Nur die Nähe bereite ihr Schwierigkeiten. Die Sehschwäche wirke sich auf die Arbeit mit ihren Patienten kaum aus: „Die Mimik oder Gestik meines Gegenübers in Therapiesitzungen zu sehen und zu deuten, ist nicht so wichtig“, so Dyck. Die Stimmung ihrer Patienten erkenne sie auch an der Stimme und der Atmung. Nur im Büro ist sie täglich auf technische Hilfe angewiesen. Die bekommt sie von einem sogenannten „Screenreader“. Die technische Software wandelt visuelle Eindrücke in Sprache und Punktschrift um.

Wenn der Arbeitgeber die notwendigen technischen Hilfsmittel für Behinderte nicht zahlt, kann die Agentur für Arbeit helfen: „Wir leisten individuelle Hilfe, wenn Schwierigkeiten aus der Behinderung resultieren“, sagt Iris Rademacher, Beraterin für Rehabilitanden und Schwerbehinderte in der Agentur für Arbeit Göttingen. Im Jahr 2018 waren durchschnittlich 748 Menschen mit Schwerbehinderung im Agenturbezirk Göttingen arbeitslos, im Landkreis Northeim waren es 210 Menschen. 16 Mitarbeiter der Agentur für Arbeit Göttingen beraten speziell Schwerbehinderte und Rehabilitanden.

Dyck selbst wurde nicht vermittelt. Sie hospitierte als Göttinger Studentin im Maßregelvollzugszentrum Moringen. Nach ihrem Abschluss nahm sie eine Teilzeitstelle in der Psychiatrie an. Sie mache ihren Job gerne, weil er ihr wichtig ist: „Wenn wir uns als Gesellschaft entscheiden, Straftäter zu resozialisieren, dann muss jemand diesen Job machen“. Angst empfinde die Psychologin nicht, wenn sie mit den Straftätern alleine in geschlossenen Räumen sitzt. Ihre Patienten kommen nicht von der Krisenstation. Lisa-Janina Dyck hat ihre Patienten im Blick – trotz Sehbehinderung. „Außerdem kann ich meine Gegenüber in den meisten Fällen gut einschätzen”.

Jan Wendt | HNA Hessische/Niedersächsische Allgemeine
 

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