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Schweiz: 700 lassen sich freiwillig einsperren

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Wer schon immer Mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, im Knast zu sein, der hat im März die Chance, das neue Gefängnis Zürich West zu testen. Finanziell wird der Einsatz nicht entschädigt, aber zu essen gibts mehr als nur Wasser und Brot. Im April 2022 nimmt die Anstalt den Betrieb auf. Doch zuvor sollen die Abläufe noch getestet werden. Rund 700 Interessierte haben sich gemeldet, die sich freiwillig in Zellen sperren lassen wollen.

Vier Tage Untersuchungshaft. Das möchte man lieber nicht erleben. Beim Kanton Zürich haben sich trotzdem schon rund 700 Freiwillige gemeldet, die bei einem Testbetrieb des neuen Gefängnisses Zürich West mitmachen wollen. Dies teilt Elena Tankovski von der Abteilung Justizvollzug und Wiedereingliederung auf Anfrage von Blick mit. Der Kanton will Ende März 2022 die Abläufe ausprobieren und nötigenfalls anpassen, bevor die Anstalt Anfang April 2022 eröffnet wird. Dabei soll der Gefängnisbetrieb möglichst realitätsnah simuliert werden. Das heisst: Es sind weder Handys noch Computer erlaubt. Im Gegensatz zu den richtigen Häftlingen haben die Freiwilligen allerdings die Möglichkeit, den Gefängnisaufenthalt zu einem beliebigen Zeitpunkt zu beenden.

PolizeiJustizZentrum: Gefängniseingang. Quelle: Generalplaner & Architekt: Theo Hotz Partner Architekten, Zürich – Visualisierung: Raumgleiter, Zürich

Nicht alle Interessierte werden teilnehmen können

Die Anmeldefrist für die Teilnahme am Testbetrieb läuft bald ab. Interessierte müssen mindestens 18 Jahre alt sein, im Kanton Zürich wohnen oder in der Verwaltung des Kantons Zürich arbeiten. Zudem müssen sie sich einverstanden erklären, dass sie durch die Kantonspolizei Zürich einer Sicherheitsprüfung unterzogen werden. Nach Anmeldeschluss wird schliesslich entschieden, wer am Testbetrieb tatsächlich teilnehmen kann. Tankovski zu Blick: „Fakt ist, dass nicht alle Personen am Testbetrieb werden teilnehmen können.“

Leibesvisitation ist freiwillig

Auf der offiziellen Bewerbungs-Website werden die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit dem Testbetrieb beantwortet. Mit „reichlich Beamtenhumor“, wie der Rechtsanwalt Martin Steiger auf seiner Homepage schreibt. Auf die Frage, was genau getestet werde, steht in der Ausschreibung des Kantons etwa: „Wir halten es da wie unsere sympathischen Kollegen in der Finanzdirektion. In unserem Fall also irgendwas mit Gefängnis.“ Obwohl die Teilnehmer nur wenig darüber erfahren, was ihnen im Testbetrieb blüht, versucht der Kanton laut Rechtsanwalt Steiger jegliche Haftung auszuschliessen. TeilnehmerInnnen müssten hingegen die volle Verantwortung für ihr Handeln im Testbetrieb übernehmen. Eine Leibesvisitation beim Eintritt sei freiwillig.

241 Haftplätze, fast 150 Beschäftigte

Für die Verpflegung ist während des Testbetriebs gesorgt. Und es gibt nicht nur Wasser und Brot: Die Freiwilligen können zwischen Fleisch, vegetarischem Essen und Halal wählen. Ausserdem werden Allergien berücksichtigt. Das Gefängnis Zürich West ist Teil des Polizei- und Justizzentrums Zürich (PJZ) auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Zürich. Es verfügt über 241 Haftplätze für vorläufig Festgenommene oder Personen in Untersuchungshaft. Insgesamt wird das Gefängnis fast 150 Personen beschäftigen.

Georg Nopper | blick.ch

 

1 Kommentar

  1. Heike sagt:

    Wieso testet man nicht mit eigenem Personal oder Anwärtern auf den Job?
    Könnte eventuell sogar hilfreich sein und u.U. sogar mehr Verständnis für die Inhaftierten mit sich bringen. Oder will man das gar nicht?

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