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Menschenhandel: Betroffene leben meist unerkannt unter uns

6. Februar 2026

Seit 2015 gibt es einen Weltgebetstag der Reflexion gegen den Menschenhandel. Es wird weltweit auf die Folgen der „modernen Sklaverei“ aufmerksam gemacht, um mit den Betroffenen im Gebet verbunden zu sein. Täglich werden Personen durch Menschenhandel ausgebeutet. Lange verband man in Deutschland den Begriff vor allem mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen aus Osteuropa. Inzwischen kommen aber andere Formen der Ausbeutung mehr in den Fokus, wie beispielsweise Zwangsarbeit und Arbeitsausbeutung.

Laut Global Slavery Index 2025 leben weltweit rund 50 Millionen Menschen in ausbeuterischen Verhältnissen, darunter zwölf Millionen Minderjährige. Für Deutschland wird geschätzt, dass etwa 47.000 Personen von moderner Sklaverei betroffen sind. 

Verletzung der Menschenrechte

Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenhandel der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Ansgar Puff aus Köln, betont: „Die Betroffenen leben meist unerkannt mitten unter uns, ausgebeutet in der Lebensmittelindustrie, in Lieferdiensten, auf dem Bau und nicht zuletzt in der Prostitution.“ Menschenhandel beschreibt die Praxis, Menschen durch Zwang, Täuschung oder Gewaltanwendung in ausbeuterische Verhältnisse zu überführen, um an ihnen Geld zu verdienen. Weniger häufige Formen der Ausbeutung sind erzwungene kriminelle Aktivitäten, Zwangsheirat, erzwungene Betteltätigkeiten oder erzwungene Organentnahme. Menschenhandel verletzt grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Freiheit oder Selbstbestimmung.

Einfluss durch Konsumverhalten

Das Motto des Weltgebetstages 2026 greift die ersten Worte von Papst Leo XIV. nach seiner Wahl auf und lautet: „Frieden beginnt mit Würde: Ein weltweiter Aufruf zur Beendigung des Menschenhandels“. Weihbischof Puff unterstreicht: „Betroffene von Menschenhandel sind Opfer von Rechtlosigkeit und Unmenschlichkeit. Als Christinnen und Christen setzen wir uns dafür ein, dass sie wieder in Würde leben können und Gerechtigkeit erfahren. Die kirchlichen Beratungsstellen und Hilfsorganisationen stehen den Menschen mit Rat und Tat zur Seite und begleiten sie auf ihrem Weg aus Verhältnissen der Unfreiheit und Ausbeutung.“ Besonders gefährdet, Opfer von Menschenhandel zu werden, sind Menschen in prekären Lebensverhältnissen – etwa Personen ohne regulären Aufenthaltsstatus oder legale Arbeitsmöglichkeiten. Mit Blick auf konkrete Handlungsansätze gegen die „moderne Sklaverei“ verweist Weihbischof Puff auf den Einfluss, den Menschen durch ihr Konsumverhalten nehmen können: „Es ist wichtig, Einkäufer und Verbraucher zu informieren und zu sensibilisieren, damit sie keine Waren kaufen, die durch Ausbeutung oder unter sklavereiähnlichen Bedingungen produziert worden sind. Insbesondere in den kirchlichen Gemeinden und Einrichtungen werbe ich für einen aufmerksamen Blick.“

Gedenktag: 8. Februar

Der 8. Februar ist der Gedenktag von Josephine Bakhita (1869–1947), der Schutzpatronin der Opfer und Geschädigten von Sklaverei. Sie stammt aus der Region Darfur im heutigen Sudan und wurde als junges Kind in die Sklaverei verkauft. Über mehrere Stationen gelangte sie nach Italien, wo sie durch eine Ordensoberin befreit wurde. Aufgrund der traumatischen Erfahrungen vergaß sie ihren ursprünglichen Namen und erinnerte sich nur noch an den Namen, den ihr Sklavenhändler gegeben hatten: „Bakhita“, die Glückliche. Sie ließ sich taufen und wurde Ordensschwester im norditalienischen Schio. Im Jahr 2000 wurde sie von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

 

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