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Es gibt hohe Rückfallquoten im Jugendvollzug

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Etwas mehr als 70 Prozent der aus den Jugendgefängnissen in Hessen entlassenen Straftäter werden rückfällig, aber nur knapp 30 Prozent müssen zurück in die Haft. Die Rückfälligen begehen viel weniger und vor allem weniger schwere Straftaten. „Das ist aus Opfersicht ein erheblicher Unterschied und ein Erfolg, obwohl die Zahlen hoch sind“, sagte Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Die Studie mit dem Tübinger Kriminologen Prof. Dr. Hans-Jürgen Kerner und mit den Marburger Psychologen Prof. Dr. Ulrich Wagner und Dr. Jost Stellmacher, nehmen die eine Rückfall- und Wirkung des Jugendvollzuges in den Blick.

Die Tübinger Wissenschaftler haben unter dem Aspekt der Rückfälligkeit drei Jahre lang die 250 männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden betrachtet, die 2009 aus dem Jugendvollzug entlassen wurden. Die Marburger Forscher befragten zudem 205 junge Männer am Anfang und Ende ihrer Haftzeit danach, wie hilfreich sie die Angebote im Gefängnis empfanden. Die Fachleute im Vollzug wurden auch um Einschätzungen gebeten. “Viele glauben, der Vollzug macht alles schlechter und ist die Schule des Verbrechens. Das ist widerlegt“, sagt Professor Kerner. “Die jugendlichen Gefangenen haben sich während der Haft überwiegend positiv entwickelt”, so der Psychologe Jost Stellmacher.

Die im Jugendstrafvollzugsgesetz vorgesehene und veröffentlichte, wissenschaftliche Untersuchung in Hessen sei deutschlandweit einzigartig. Kann der Jugendstrafvollzug kriminelle Karrieren aufbrechen? Der Tübinger Kriminologe Professor Dr. Hans-Jürgen Kerner sagt ein klares Ja. Ein Aufenthalt im Gefängnis sei geeignet, im Kopf der jungen Täter den Hebel umzulegen, das Denken umzuschalten.  Von den Marburger Forschern wurden junge Männer am Anfang und am Ende ihrer Haft eingehend befragt.

Die Ergebnisse der Studie in Kurzform

Die weitaus meisten jungen Häftlinge waren bei Antritt ihrer Strafe ohne Beruf und ohne regelmäßige Arbeit, dafür indessen zu einem ebenso hohen Prozentsatz mehrfach strafrechtlich aufgefallen. Eine sehr hohe Rückfallgefährdung war demnach anzunehmen. Etwa 70 Prozent wurden auch wieder rückfällig, aber nur 30 Prozent kamen wieder in Haft. Denn Ausmaß und Schwere der neuen Taten hatten in den meisten Fällen deutlich abgenommen. Diese Quote werten die Wissenschaftler als Erfolg, denn Richter verhängen Haftstrafen nur noch sehr zurückhaltend, mit dem Ergebnis, dass nur noch sehr schwieriges Klientel hinter Gittern landet.

Weitere Befunde der Studie: Die Gefangenen geben den Angeboten im Justizvollzug durchweg gute Noten, das heißt, sie akzeptieren das Ausbildungsangebot. Im Verlauf der Haft lassen sich insgesamt fast ausschließlich positive Effekte feststellen. Die positiven Veränderungen betreffen unterschiedliche Facetten wie zum Beispiel die geringere Gewaltbereitschaft in Konfliktsituationen, die Zunahme der sozialen Unterstützung und die Steigerung der Leistungsmotivation. Sie entwickeln Selbstwertgefühl und Bereitschaft zur Wiedereingliederung. Sie brechen mit ihrem alten Umfeld. Sie träumen von denselben Idealen wie andere Jugendliche, also von Familie, Kinder, Beruf.
Die Analysen der beiden Forschungsgruppen liefern demnach ernst zu nehmende Hinweise, dass es offensichtlich gelungen ist, einer Klientel mit schwierigen Ausgangsbedingungen Alternativen zu einer kriminellen Karriere aufzuzeigen und ihre Chancen in Richtung soziale Integration zu verbessern.

Das hessische Justizministerium verweist auf den hohen Personalschlüssel im Jugendvollzug. Beispiel: In der Justizvollzugsanstalt Rockenberg werden rund 150 jugendliche Täter von rund 170 Sozialarbeitern, Psychologen, Handwerksmeistern, Ausbildern, Lehrern, Vollzugsbeamten, Krankenpflegern, einem Arzt, Drogenberatern und Seelsorgern betreut. Justizministerin Kühne-Hörmann: „Dieser Aufwand und das Engagement zahlt sich aus. Das ist eine Investition in eine bessere Zukunft dieser Jugendlichen und in die Sicherheit der Menschen in Hessen.“

 

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