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Per Videostream am Event des Kirchentages dabei

Ein Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen
7. Oktober 2020

Den Abschluss des Ökumenischen Kirchentags konnte die Gottesdienstgemeinde in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne im Hafthaus Senne per Life-Übertragung des Abschlußgottesdienstes aus Frankfurt am Main miterleben. Anders als gewohnt war der Blick nicht auf Altar und Kreuz, sondern auf die gegenüber liegende Leinwand gerichtet. Ein Gottesdienstbesucher des Offenen Vollzuges meint: „Meine Frau sitzt Zuhause auch am Fernseher, da können wir seit langer Zeit gemeinsam einen Gottesdienst erleben.“ Die Gefangenen im Offenen Vollzug sind während der Pandemie sehr eingeschränkt.

Rund 400 Gläubige waren am Frankfurter Mainufer zur Feier zugelassen. Alles mit Abstand und Maske. Mit dem Open-Air-Gottesdienst ist der dritte bundesweite Ökumenische Kirchentag (ÖKT) in Frankfurt zu Ende gegangen.Der Kirchentag habe die Ökumene gestärkt, sagte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung am Sonntag zum Abschluss des weitgehend digitalen, viertägigen Christentreffens. Als Beispiele führte er dessen gemeinsame Vorbereitung und die gegenseitige Einladung zu Gottesdiensten mit Abendmahl und Eucharistie an. Durch die Vorbereitung auf den Kirchentag sei “auch in der schwierigen Zeit der Pandemie in der gastgebenden Region das ökumenische Miteinander sehr vertieft” worden, so Jung.

Zur Versöhnung aufgerufen

Bundespräsident Steinmeier rief vor Beginn des Gottesdienstes zu gesellschaftlicher Versöhnung nach der Corona-Krise auf. Fehler müssten aufgearbeitet und entstandene Wunden geheilt werden. “Wir müssen wieder Brücken bauen zwischen Menschen und Gruppen, die die Pandemie verfeindet hat.” Christen trügen dafür eine besondere Verantwortung. Steinmeier verurteilte erneut antisemitischen Hass auf Deutschlands Straßen. “Nichts rechtfertigt die Bedrohung von Juden in Deutschland oder Angriffe auf Synagogen in unseren Städten.” Die Predigten im Abschlussgottesdienst hielten zwei Frauen: die Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche, Mareike Bloedt, und die Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Katharina Ganz.

Wir sind da, schaut hin

Für Bischof Dr. Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, war es richtig und wichtig den Dritten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) unter Pandemiebedingungen gefeiert zu haben. „Mit mehr als 80 Veranstaltungen thematischer Art, mit Bibelarbeiten, Gottesdiensten, Interviews und digitalen Treffen hat der ÖKT eine enorme Reichweite entwickelt und Resonanz bekommen“, sagte Bischof Bätzing nach dem Abschlussgottesdienst. Viele Menschen hätten darauf gewartet, dass die christlichen Kirchen sich zu wichtigen Zukunftsfragen der Menschen und der Gesellschaft äußerten. „Die Themen des ÖKT waren hoch aktuell. Es ging unter anderem um die Zukunftssicherung durch Klimagerechtigkeit oder um die Folgen der Corona-Pandemie weltweit. Wir haben aber auch auf die krisenhafte Situation der Kirche hingeschaut und uns mit Fragen des sexuellen Missbrauchs und mit dem Vertrauensverlust befasst“, so Bischof Bätzing. Digitalität sei beim ÖKT gelebt worden, habe aber auch viele Fragen aufgeworfen.

Im Offenen Vollzug eingeschränkt

Die inhaftierten Menschen des Offenen Vollzuges der JVA Bielefeld-Senne konnten zumindest digital per Videostream an diesem Event dabei sein. Wahrscheinlich noch näher dran, als wenn sie vor Ort wären. Die Kamera fängt manches in Nahaufnahme auf. Die Gefangenen im Offenen Vollzug sind während der Pandemie sehr eingeschränkt. Urlaubstage bei der Familie über das Wochenende sind gestrichen. Die Kontaktbeschränkungen wirken für Inhaftierte doppelt. Sind sie eh schon eingeschränkt in Haft, so werden ihnen noch die Ausgänge verwehrt. Nur ein 2 stündiger Stadtausgang ist genehmigt, mit ausdrücklichem Verbot seine Angehörigen zu sehen. Jeder Mensch hat das Recht, seine Familie, Kinder, Lebensgefährten zu sehen. Die Grundlage einer funktionierenden Resozialisierung ist eine intakte Familiensituation. Es sind bereits Familienstrukturen zerstört. Der wenige Kontakt zur Familie zerfällt immer mehr. Ein Gottesdienstbesucher des Offenen Vollzuges meint: „Meine Frau sitzt Zuhause auch am Fernseher, da können wir seit langer Zeit gemeinsam einen Gottesdienst erleben.“ Zumindest virtuell und mit großem Abstand.

Elisabeth Biermann | JVA Bielefeld-Senne

 

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