„Das war eine Entdeckungsreise in eine fremde, sonst verschlossene Welt“, sagt Heiner Montanus. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid besuchte zusammen mit Mitgliedern der Pastoralkonferenz die Justizvollzugsanstalt (JVA) Gelsenkirchen. Dank der Einladung der Anstaltsleiterin Elisabeth Nubbemeyer konnte die Gruppe einen Blick hinter die Mauern der JVA werfen und unter anderem Hafträume, den Besuchsbereich, die Werk- und Fortbildungshallen sowie die Freizeittürme besichtigen.

Mitglieder des Pastoralkonferenz besuchten während der Führung die anstaltseigene Männerkirche, in der samstags mit Inhaftierten Gottesdienst gefeiert wird. Foto: JVA Gelsenkirchen
Rund 600 Inhaftierte
Im Mittelpunkt stand das Leben der Gefangenen und ihrer Angehörigen. Rund 440 Männer in der Strafhaft und ca. 170 Frauen in Untersuchungs- und Strafhaft sowie im offenen Vollzug sind in Gelsenkirchen untergebracht. Begleitet werden sie neben den Beamtinnen und Beamten vom Allgemeinen Vollzugsdienst (AVD) von Mitarbeitenden verschiedener Fachdienste, wie dem Sozialdienst, dem pädagogischen und psychologischen Dienst. „Wir haben zahlreiche Menschen kennengelernt, die sich mit ihrer je eigenen Fachlichkeit dafür einsetzen, dass Menschen in Haft eine Perspektive gewinnen können, die über die Mauern hinausreicht“, resümiert Montanus.
Ökumenisches Team
Die pastorale Arbeit in der Anstalt übernimmt ein ökumenisches Team. Gefängnisseelsorgerin Maria Mauch und Susanne Schart betreuen die Frauen und Männer seelsorglich in Einzel- und Gruppengesprächen und feiern wöchentlich mit ihnen Gottesdienste in den beiden anstaltseigenen Kirchen. Wie wichtig diese Aufgabe ist, betont Mirjam Domke von der Evangelischen Kirchengemeinde Gelsenkirchen-Nord: „Hier im Gefängnis habe ich gespürt, dass die Verkündigung des Evangeliums in ihrer ausgeprägtesten Form gelebt wird.“ Pfarrerin Domke, die bereits im Rahmen ihres Studiums Kontakt zu einer JVA hatte, ist die Arbeit mit Straffälligen nicht unbekannt: „Wir haben in unserer Gemeinde Jugendliche, die Sozialstunden leisten; in der Hoffnung, dass sie gar nicht erst in der JVA auftauchen.“
Kontakt drinnen und draußen
Eine Zusammenarbeit zwischen JVA und den Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises begrüßt Elisabeth Nubbemeyer: „Ich bin froh, dass der Kontakt entstanden ist, denn die Gefangenen und ihre Angehörigen sind nicht selten potentielle Gemeindemitglieder, die außerhalb unserer Mauern Unterstützung brauchen.“ Und gerade die Kinder Inhaftierter, die besonders unter der Haftsituation eines Elternteils litten, so die Anstaltsleiterin, besuchten die kirchlichen Kindergärten oder den Religions- oder Konfirmandenunterricht.
Susanne Schart , JVA Gelsenkirchen | Titelfotos: Justiz nrw





