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Ein ver-rückter Ort und doch Spiegelbild

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Der Jugendknast, in dem ich als Gefängnisseelsorger arbeite, ist oftmals ein Ort am Ende einer langen Kette von Tränen um begangene „Missetaten“. Bittere Tränen von verkorksten Geschichten und der Reue. Tränen, die unter die Haut gehen und die nicht gezeigt werden wollen. Manche Gefangene tätowieren sich am Daumen drei Punkte: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Es ist ein „ ver-rückter“ Ort, der abgerückt ist vom „normalen“ Leben. Und doch ist das Gefängnis ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

Womit Menschen trösten, deren Los trostlos ist? Ich soll Inhaftierten, die durchdrehen und ihre Zelle demolieren, Gottes Botschaft verkünden? Ich komme mir manchmal vor wie ein verrückter „Himmelskomiker“. Hier ein gutes Wort, dort eine kleine Ermunterung, hier ein wenig Zuspruch, dort ein wenig Trost. Mir verschlägt es manches Mal die Sprache, werde sprachlos und kann auch nicht mit meiner Barmherzigkeit im Gepäck punkten.

Im Knast kann ich keine Predigt vom Blatt ablesen. Die „Knackies“ nehmen mir mein schönes Konzept aus der Hand und meine Worte aus dem Mund. „Sie reden da so schön vom barmherzigen Gott. Kommen Sie mal in meine Familie. Dann werden Sie sehen, wie das ist mit Ihrer Vergebung.“ Das Leben kann unfair sein und lässt sich nicht mit frommen Worten oder einfachen Antworten beschönigen.

Da begegnet mir der 19-jährige Ben, der bei jeder kleinen Provokationen zuschlägt. Einmal steigert er sich derart in seiner Wut, dass er die schwere Haftraumtür mit lautem Knall zuschlägt. Er schlägt nicht den Mitgefangenen, sondern er versucht sich selbst zu bändigen. Hier wird für mich ein Funke Hoffnung spürbar.
Da erlebe ich Bedienstete nach Jahren im Knast, die den Glauben an das Gute im Menschen nicht verloren haben und entsprechend auf die Inhaftierten eingehen. Hier wird für mich ein Funke Hoffnung spürbar.
Da ist ein Vater, der seinen 17-jährigen Sohn nicht im Stich lässt trotz Enttäuschungen, Unverständnis und Verletzungen. Er sucht den Kontakt und besucht seinen straffällig gewordenen Sohn regelmäßig. Hier wird für mich ein Funke Hoffnung spürbar.

Wenn wir die Hoffnung begraben, graben wir unser eigenes Grab. Jemand, der keine Hoffnung mehr hat, gibt sich selbst auf. Da tut es gut, wenn mir jemand einen Funken Hoffnung vermittelt. So verrückt es auch klingen mag, ich denke, diese Botschaft wird besonders im Knast erlebbar.
 

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