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Orientalischer Abend in der JVA Kirche gestaltet

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Die “Jungs” der Sozialtherapeutischen Abteilung des Jugendvollzuges der JVA Herford sind zu einem orientalischen Abend eingeladen worden. Die Gefangenen haben sich vorher gewundert, warum gerade die Meditation-Anleiterin Kerstin Fleer den Orient zum Themenabend macht. “In der Kindheit haben mich verschiedene Kulturen begleitet, so bin ich aufgewachsen. Dieses Erleben hat mich sehr geprägt und ist eine Bereicherung für mein Leben”, sagt Kerstin Fleer. Als Erwachsene hat sie daran festgehalten und möchte weitere Kulturen kennenlernen und leben. Sie berichtet von diesem besonderen Abend hinter den Mauern.

Ich erwarte die Jungs in einem der Pavillons der über 140 Jahre alten Kirche. Den Tisch habe ich mit einer goldbestickten Tischdecke verziert. Eine goldene glitzernde Orientlampe erhellt unseren Blick auf den Tisch. Düfte der Gewürze durchströmen den Raum. Der Orient mit seiner Musik, Tanz, Essen und Gastfreundschaft hat mein Leben reicher gemacht. Meine Familie und Freunde freuen sich, wenn ich persisch oder arabisch koche. Dies wollte ich auch den “Jungs” nahebringen. So ist mir der Gedanke gekommen, einen Orient Abend zu gestalten. Ihnen nahezubringen, alle Menschen egal welcher Herkunft zu respektieren und ihr Bewusstsein dafür zu öffnen, andere Kulturen kennenzulernen.

Neugierig und erwartungsvoll betreten sie den Raum. Die Augen der Jungs leuchten beim verzierten und gedeckten Tisch auf. Der Duft des Essens bringt Ihnen ein Lächeln auf’s Gesicht. Orient Musik hören Sie nun in der JVA Kirche. Sie sind voller Freude und genießen es mit allen ihren Sinnen. “Woher hast du diese Musik? Aus der JVA Bücherei?” fragt mich ein Jugendlicher. Das ist meine Musik, die ich zuhause und im Auto höre, ungewöhnliche Klänge, aber für mich mein Alltag, der mich beschwingt.

Die Jungs sind glücklich und dankbar. Während des Essens tauschen wir uns in gewohnter und angenehmer Art und Weise aus. Beim Essen sind die Gespräche ganz unverfangen, wir sprechen über die verschiedenen Kulturen der Jugendlichen. Das Essen erweckt Erinnerungen an ihre Heimat. Andere finden das Essen neu oder finden es toll, anderes Essen kennenzulernen. Die Jungs haben in meine mitgebrachten CD´s reingehört. Dabei haben wir über die Musik verschiedener Kulturen gesprochen. Sie fühlen sich ein wenig zuhause, oder die anderen inspiriert.

Auf die Entspannungstherapie wollten die Jungs auf keinen Fall verzichten. Sie sind schon gut trainiert und lassen sich im Vertrauen von mir anleiten. Mit einem Lächeln im Gesicht und Hand auf´s Herz bedanken sich die Jungs bei mir. Sie gehen zufrieden in ihre Zelle und ich glücklich nach Hause. Es war für uns alle ein schöner Abend und ich fühle, wie sehr mir die Jungs ans Herz gewachsen sind. Sie zu begleiten, ist meine Herzensangelegenheit.

Kerstin Fleer | Entspannungs- und Tanztherapie, Gesundheits-und Ernährungstherapie

 

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