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Bei Studientagung neue „Seelsorgepersonen“ begrüßt

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Im Rahmen der ersten Studientagung nach fast zwei Jahren Corona-Auszeit, begrüßt der Vorstand der Katholischen Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V. im bayrischen Neumarkt/Oberpfalz in präsenter Form neue GefängnisseelsorgerInnen im Bundesgebiet. Sie alle haben in den letzten Monaten ihren Dienst in der Corona-Zeit im Knast neu begonnen. Acht sind sie an der Zahl, die von Mecklenburg-Vorpommern bis Baden-Württemberg, ins Tagungshaus der Niederbronner Schwestern angereist sind.

Sie waren in der Klinikseelsorge tätig oder in der Kirchengemeinde. Sie wagen den Schritt, als GefängnisseelsorgerIn hinter den Mauern zu arbeiten. Acht neue GefängnisseelsorgerInnen sind im Rahmen der Studientagung in Neumarkt in der Oberpfalz in einer Feierstunde begrüßt worden. Nicht virtuell, sondern in präsenter Form. Mit den 3G Regeln ist dies möglich geworden. Von Angesicht zu Angesicht formuliert der Vorsitzende der Katholischen Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V., Heinz-Bernd Wolters, mit leuchtenden Augen: “Wir freuen uns sehr, Sie und Euch begrüßen zu dürfen. Gefängnisseelsorge ist ein Feld, das oft nicht in den Blick fällt und doch ist es im Mittelpunkt der pastoralen Dienste”, sagt der scheidende Vorsitzende des gemeinnützigen und kirchlichen Vereins von GefängnisseelsorgerInnen nach 12 Jahren Vorstandstätigkeit.

Von links nach rechts: Angelika Lang, überregionale Vernetzung der Gefängnisseelsorge im Bistum Dresden-Meißen, Stefan Hofer (JVA Frankfurt I), Matthias Schulz (JVA Dresden), Sebastian Veith (JVA´en Bochum), Christiane Weber-Lehr (Frauenvollzug JVA Frankfurt III), Hans-Jürgen Schneider (JVA Ottweiler), Georg Gebhard (JVA Ravensburg) und Christoph Hanßen (JVA Hahnöfersand) im Erzbistum Hamburg.

Machen zufriedenen Eindruck

In eine ersten Vorstellungsrunde erzählen die “Seelsorgepersonen” aus den JVA´en in Frankfurt am Main, aus der JVA Dresden, aus der JVA Ottweiler im Saarland, aus der JVA Ravensburg in Baden-Württemberg, aus der nordrhein-westfälischen JVA Bochum und der JVA des Jugendvollzuges in Hahnöfersand bei Hamburg von ihrem beruflichem Werdegang. Diesen hat sie in den Knast geführt. Die Tatsache scheint allerdings nicht negativ zu sein. Sie alle machen einen zufriedenen Eindruck. “Nach vielen Jahren in der gemeindlichen Jugendarbeit wolle ich in meinem jetzigen Alter etwas anders machen. So bin ich im Jugendvollzug gelandet”, sagt der 50 jährige Kollege aus dem Saarland, ohne leicht dazu zu lächeln.

Ausgebildet und geschult

Die Arbeit hinter den Mauern ist nicht einfach. Mit schwierigen Situationen im System des Justizvollzuges und den unterschiedlichen Gefangenen umzugehen, braucht Ausbildung und kollegiale Beratung. Dies bekommen die neuen KollegInnen im Angebot der Studientagung und der begleitenden beruflichen Einführung im Kurs “Kirche im Justizvollzug”. Neben der klinischen Seelsorgeausbildung der Evangelischen Konferenz für Gefängnisseelsorge in Deutschland, werden Seelsorgende für ihren Dienst speziell ausgebildet und geschult. “Das ist besonders notwendig, weil im Gefüge der staatlichen Einrichtung die GefängnisseelsorgerInnen mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind”, sagt Stefan Ehrlich, der als Dekan in Nordrhein-Westfalen arbeitet.

Corona hat alles verändert

Einen ersten Eindruck machen sich “die Neuen” auf der Studientagung in Neumarkt in der Oberpfalz. Thema hier ist das gestiegene Sicherheitsbedürfnis und deren Dynamik in der Justiz. “Als SeelsorgerIn haben wir oft einen anderen Blickwinkel und sehen den Menschen und nicht alleine die Sicherheit. Beides ist oft schwer miteinander vereinbar. Und doch ist der Dienst der Gefängnisseelsorge in der Ambivalenz der Sicherheit und deren ethischen Überlegungen innerhalb eines Gefängnisses wichtig. Seit dem Beginn der Corona-Pandemie gibt es viele Einschnitte im Vollzugalltag, die mit der “Sicherheit” aufgrund des Gesundheitsschutzes begründet werden. Besuche von Gefangenen sind stark eingeschränkt, begleitende Ausgänge oder andere Entlassvorbereitungen “ruhen” oder sind auf ein Minium beschränkt. In dieser Situation sind GefängnisseelsorgerInnen gefordert, sprachfähig zu bleiben und sich für die Inhaftierten und die Bediensteten einzusetzen.

“Keine leichte Aufgabe”, sagt die neue GefängnisseelsorgerIn aus Frankfurt, “und doch sind es die existenziellen Themen, die mir hinter den Gittern begegnen und mich antreiben. Ich schreibe Gedichte, um all das Erlebte zu verarbeiten und ins Wort zu bringen”, sagt  Christiane Weber-Lehr, die im Frauenvollzug arbeitet. Die eigene Psychohygiene ist trotz der vielen dunklen Geschichte wichtig. “Eigenschutz ist genauso notwendig wie die hoch eingestufte JVA-Sicherheit”, sagt ein erfahrener Gefängnisseelsorger am Rande der Feierstunde.

Michael King

 

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