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Nach 40 Jahren Knast entlassen: Axel Wiesbrock

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In der Berliner Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering auf brandenburgischem Boden wurde am 2. Januar 2022 ein Urgestein der Gefängnisseelsorge nach 40 Jahren „entlassen“: Axel Wiesbrock geht in den Ruhestand. Lange war er in der JVA Berlin-Tegel tätig. Als Vorsitzender der damaligen „Bundeskonferenz für Gefängnisseelsorge an den Justizvollzugsanstalten in der Bundesrepublik Deutschland“ prägte er maßgeblich die Entwicklungen auf der Bundesebene. So entstand die Arbeitsgemeinschaft „Ethik im Justizvollzug“, die in JVA´en die Bildung von Ethik-Komitees voranbrachte.

Der Kollege aus der JVA Berlin-Moabit, Patrick Beirle, überreicht dem langjährigen Gefängnisseelsorger Axel Wiesbrock eine Rose bei der Feierstunde.

Aufgrund der Pandemie-Situation feierte er zunächst mit den Inhaftierten getrennt nach Teilanstalten drei Gottesdienste. Wiesbrock überreichte jedem einzelnen Gefangenen eine Rose – als Geschenk der Dankbarkeit von Herz zu Herz nach der Geschichte von Rainer Maria Rilke. Diese herzliche Geste und dieser liebevolle Blick sowie seine markante Bass-Stimme mit mutmachenden und stets zum Nach- und Weiterdenken anregenden Worten hat vier Jahrzehnte Gefängnisgeschichte nicht nur in Berlin geprägt.

Am Abend kamen die „Externen“ aus der Arbeitsgemeinschaft „Gefängnisseelsorge“ im Erzbistum Berlin sowie einige Bedienstete zur Eucharistiefeier zusammen. Schon die Prioritätensetzung in der Reihenfolge der Gottesdienste – erst mit Gefangenen, dann mit Gästen – zeigt den Stil von Axel Wiesbrock: Die Gefangenen standen für ihn stets im Mittelpunkt. Johannes Drews, sein Vorgänger als Leiter der Arbeitsgemeinschaft „Gefängnisseelsorge“, leitete den Gottesdienst. Prälat Dr. Stefan Dybowski, Domkapitular und Ordinariatsrat, brachte eine seiner liebevollen Geschichten in der Predigt ein. Frau Mann, die eine Musikgruppe mit Gefangenen leitet, begleitete musikalisch die zwei Gottesdienste. Am Ende blieb im übertragenen Sinne die „Zeit für eine Zigarette und das Glas Wein im Steh’n“. Sowie eine Rose für ihn selbst, die durch seinem Kollegen, Patrick Beirle, aus der JVA Berlin-Moabit überreicht wurde.

Christina Brath, Gefängnisseelsorge JVA Heidering | Sebastian Schwertfeger, Kategoriale Seelsorge

Zur Person

Axel Wiesbrock wurde in Ochtrup (Münsterland) geboren. Nach Abschluss des Studiums der Katholischen Theologie in Münster und der Sozialarbeit in Essen sowie weiteren Stationen führte ihn sein Weg 1992 ins Erzbistum Berlin, wo er in verschiedenen Justizvollzugsanstalten tätig war. Von 2001 bis 2009 war er Vorsitzender der Bundeskonferenz der Katholischen Gefängnisseelsorge an den Justizvollzugsanstalten in der Bundesrepublik Deutschland. Zudem prägte er durch seine Mitarbeit die Arbeit das Ethikkomitees im Justizvollzug. Dies hat mit dem 2017 neu gegründeten gemeinnützigen Verein „Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland e.V.“ weiter Bestand.

 

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