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Musikalisches Resultat kann sich sehen lassen

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Ungewöhnliche Töne gibt es am Freitagnachmittag im Knast des Jugendvollzuges der Justizvollzugsanstalt Herford zu hören. Eigentlich proben nachmittags bis zu 10 jugendliche Gefangene in der Kirche. Doch zu diesem Ereignis des Konzertes des Projektes „Musikband“ lauschen 25 Gefangene. Das Projekt wird im Rahmen des Programmes “Kultur macht stark” und des Bonifatiuswerkes Paderborn in Kooperation mit der Musikschule Herford finaziell gefördert.

Anstaltleiter Friedrich Waldmann und andere Bedienstete hören die musikalischen Künste zum ersten Mal. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie die musikalischen Fähigkeiten hinter Mauern entwickelt werden“, sagt Friedrich Waldmann und spielt auf das Projekt an, das seit 5 Jahren im Jugendvollzug läuft. Zwei Musiklehrer, eine Musiklehrerin und ein ehrenamtlicher Betreuer kommen hinter Gittern, um mit Jugendlichen zu arbeiten. „Das Resulat kann sich sehen lassen“, erläutert Gefängnisseelsorger Michael King, der das Projekt betreut. „Aufeinander zu hören und sich gegenseitig einzustimmen ist für manche ein großes Problem. Nicht immer geht es so harmonisch zu“, erzählt King.

Und doch bringen die Jugendlichen ein beachtliches Programm auf die Bühne. Einer spielt ein Bass-Solo, der andere nimmt das Mikrofon und rappt eigene Texte über sein Leben. Wieder ein anderer gibt den Takt am Schlagzeug gekonnt an. Die Zuhörer klatschen begeistert. So begeistert, dass ein Jugendlicher aus dem Publikum aufsteht und spontan das Mikrofon nimmt. Er singt vom Haftalltag und von dem, was er seine Zukunft gestaltet. Adriana Riemann, die Musiklehrerin, kann die Spontanität einordnen am Klavier musikalsich begleiten. „Jeder der Jugendlichen hat bestimmte Begabungen. Es gilt sie zu fördern“, fügt  Riemann hinzu. Arabische und türkische Klänge sind ebenso integriert wie Sprechgesang.

„Ich mache in der Musikband mit, weil ich ein dabei ein Stück Freiheit bekomme“, erzählt Sascha (Name geändert). Er ist einer Jugendlichen, der am längtsen dabei ist. Jugendliche Inhaftierte sind im Jugendvollzug im Schnitt etwa 2-3 Jahre. Allerdings wechseln die Teilnehmer immer wieder, weil z.B. jemand in eine andere Haftanstalt verlegt wird. „Oder jemand hat ein Diszi…“ sagt der 17-jährige Daniel. Damit meint er, dass Mitgefangene sich schlecht verhalten haben und nicht teilnehmen können. „Die Jugendlichen lernen im Projekt Musikband miteinander umzugehen und sich gegenseitig zu repektieren“, sagt der Gefängnisseelsorger.

Eine Zugabe noch und das Konzert neigt sich dem Ende. „Ich schreibe auf jeden Fall einen Antrag auf die Musikband“, sagt ein Gefangener, grinst und bedankt sich herzlich, bevor es wieder zurück in den Haftraum geht.