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Mosambik ist Rekordhalter für überfüllte Gefängnisse

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Gefangener im mosambikanischen Männergefängnis während des Gottesdienstes mit seiner Bibel.

Tete liegt im Nordwesten von Mosambik und ist trauriger Rekordhalter, das überfüllteste Gefängnis des Landes zu besitzen. In Zellen von 20 bis 25 qm sind bis zu 80 Gefangene untergebracht. Man schläft am Boden oder auf Matten – aber selbst wenn man sich nachts wie Sardinen stapelt, können nie alle Gefangene gleichzeitig schlafen. Die Habe ist in Plastiktüten mit Nägeln an der Wand aufgehängt. Immerhin gibt es zweimal am Tag etwas zu essen, jedoch immer nur den gleichen Maisbrei.

Doris Schäfer, die Leiterin der AG International, war zum Jahreswechsel 2019/2020 im mosambikanischen Tete, um den Fortgang eines Projektes zu begutachten, für das sie im Rahmen der Gemeinschaft Sant’Egidio in Deutschland Geld gesammelt hatte. Die finanziellen Mittel wurden eingesetzt, um in der Männeranstalt von Tete eine Krankenstation zu bauen, die Haftzellen mit einer Toilette und einer Dusche auszustatten und die Anstalt insgesamt an die Wasserversorgung der Stadt anzuschließen. Dafür wurden auch zwei Zisternen gebaut, da es in der Stadt Tete nicht den ganzen Tag Wasser gibt. Auf diese Weise kann das Wasser, wenn es fließt, gesammelt werden, damit es dann rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Große Freude herrschte an Silvester in der Männeranstalt. Die Gemeinschaft Sant’Egidio von Tete lud alle Gefangenen zu einem weihnachtlichen Festmahl ein, für das eine Kuh geschlachtet wurde, die zu Gulasch verarbeitet wurde. Außerdem gab es Reis mit Gemüse und Cola oder Limonade. Zur Feier kam nicht nur der Anstaltsleiter, sondern auch ein Vertreter der Regierung und der Ortsbischof, der den Gefangenen Segen spendete für das neue Jahr. Zusätzlich durfte eine Delegation von weiblichen Gefangenen aus der nahen Frauenanstalt teilnehmen, die Doris Schäfer in den Tagen vorher besucht hatte und wo sie an einem Gebet der Gefangenen teilnahm.

Die Situation in der Frauenanstalt ist zum Glück etwas besser. Es gibt dort nur ca. 30 Frauen, die zwar alle in einer einzigen Zelle wohnen, die allerdings mit vielen Stockbetten gefüllt ist. Selbst wenn es sehr eng ist, können die Frauen immerhin in Betten schlafen. Auch der Gesundheitszustand der Frauen ist besser, da die Frauen mehr auf sich achten, besser und auch abwechslungsreicher kochen und sich weniger gehen lassen, wie es in den Männeranstalten oft der Fall ist. Die Gefangenen in beiden Anstalten waren sehr froh über den Besuch, da es für sie, die oft viele Jahre in Haft sind, ein Zeichen ist, dass sie nicht vergessen sind.

Doris Schäfer | JVA Würzburg

 

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