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Die spirituelle Weisheit der Bäume

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Die alten Bäume am baden-württembergischen Bodenseeufer der Insel Reichenau.

„Vor lauter Bäume den Wald nicht mehr sehen.“ Diese Redensart verdeutlicht, dass wir den Überblick verloren haben und das Gesamte aus dem Blick verlieren. Bäume sind Symbol und Spiegelbild meines Lebens und des Ökosystems. Jeder einzelne Baum ist wichtig. Im Wald wie auf freier Flur.

Der Schwarzwald ist zwar kein Urwald mehr, aber eine der wichtigsten Landschaften. Genauso wie die Karpaten, der Bayerische und Thüringer Wald oder der Teutoburger Wald. Sie sind die „Lungen“ unserer Umwelt. Sie regenerieren die Luft und bieten Schutzraum für Tiere und Insekten. Angesichts der großen Abholzung der Amazonas-Wälder in Brasilien sollte unserer Herzen genauso brennen. Doch manches Mal zählt unserer Konsum mehr, als dass wir uns Gedanken machen, wo unsere Produkte und die Steaks herkommen. Wir sind  mitverantwortlich.

Bäume sind faszinierend. Die Baumalleen in Ostwestfalen oder in Sachsen-Anhalt. Genauso die uralten Bäume am Bodenseeufer in Meersburg oder auf der Insel Reichenau. Wie lange sie schon Stand gehalten haben gegen Wind und Wetter und gegen die Zerstörungswut der Menschen. Bäume erzählen uns unserer Leben: Bin ich fest verwurzelt oder oberflächlich standhaft? Welche Früchte bringe ich hervor? Wem biete ich Schutz und Schatten?

Die Jahresringe eines Baumstammes zeugen von den Jahren, die ein Baum erlebt hat. Meine Jahresringe erzählen ebenso von Dürre- oder Hochzeiten. Jahr um Jahr wachse ich mehr und verstehe mehr oder weniger so manche Zusammenhänge. In Kindheitsjahren liebte ich es auf Bäume zu klettern. Hoch hinaus und den Überblick bewahren. Baumhäuser bauen im Schutz der Blätter. Die Erfahrung, dass nach dem Herbst und dem Winter garantiert im Frühjahr neue Knospen sprießen, ist ein Hoffnungsschimmer, der tragen kann.

Bäume sind von Kindesbeinen an meine Begleiter. Meinem Lieblingsbaum, einer Birke, habe ich alles anvertraut. Seit dieser Zeit bin ich mit Bäumen im inneren Dialog. Sie sprechen mir tiefe Lebensweisheit zu. Seit vielen Jahren ermutigen sie mich, meinen ureigenen Weg zu gehen. Sie erlauben mir, unvollkommen zu sein, kraftvoll und verletzlich.

Pierre Stutz

Im Buch von Pierre Stutz finden sich auf 63 Seiten Fotografien und Texte zu und von Bäumen, die spirituell weiter führen. Man kann die Atmosphäre des Waldes und der Bäume spüren, das Rauschen der Blätter, den Geruch von Gräsern und Moos und das Zwitschern der Vögel. Ein Baum ist wie ein Kraftort. Stoisch und klar steht er da. Ein Baum, der dem Sturm nichts mehr entgegenhalten konnte, steht für all die Stürze, die unser Leben prägen. Einem Baum sieht man seine Erfahrungen im Leben an. Abgebrochen, neu gewachsen und sich dem Wind angepasst. Narben verheilen, die trotzdem sichtbar sind. Bäume sind ein Spiegelbild unseres Lebens. Und ich reihe mich in einen Familien-Stammbaum ein, den ich mir nicht aussuchen konnte und den ich trotz allem als Stärke nutzen kann.

Michael King | JVA Herford

 

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