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Frische Brise in Corona-Zeiten mit Knast Open-Air

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Trotz Corona-Pandemie zusammen Gottesdienste im Gefängnis feiern? Gemeinsam der Musik und dem Wort Gottes folgen? Dies ist in der hessischen Justizvollzugsanstalt Hünfeld seit kurzem wieder möglich. Ein Tröpfchenschutz in Form eines Flügelaltaraufsatzes war bis jetzt eine Lösung, um in der Gefängniskirche zu feiern. Nun haben der evangelische und der katholische Gefängnisseelsorger auf Anregung eines erfahrenen Justizvollzugsbeamten ein neues, zusätzliches Konzept entwickelt: das Jailhouse-Open-Air. Die Gefangenen konnten unter blauem Himmel und mit strahlender Sonne zum Open-Air-Gottesdienst auf dem Sportplatz der JVA kommen.

Zum ersten Mal standen die drei Gefängnisseelsorger Pfarrer Dr. Andreas Leipold, Pfarrer Franz Hilfenhaus und Diakon Dr. Meins Coetsier, wie Fußballer vor einem Spiel, mitten auf dem Sportfeld des Gefängnisses. Ihre Botschaft: „Selig die Armen, die Hungernden, die Traurigen, die Gehassten, Beschimpften und Gemobbten“ – ein Text aus der Bergpredigt Jesu. Mit einem kleinen Verstärker, einem Mikrofon, einer Gitarre, einem Cajón sowie einem Holzkreuz versuchten die Seelsorger die Seligpreisungen einfach und kräftig zu verkündigen. Mit allen Schutzmaßnahmen im Blick konnte hinter Gittern endlich mal wieder durchgeatmet werden.

O-Ton Jesu und Rock-Töne

„Wir stehen hier unter blauem Himmel, wie Jesus damals auf dem Berg,“ sagte Pfarrer Hilfenhaus in seiner einladenden Ansprache wonach er unter musikalischer Begleitung um den Heiligen Geist betete. Pfarrer Leipold betonte in seiner “Hünfelder Bergpredigt”, wie sehr es uns jetzt in Corona-Zeiten klar wird, wie wichtig und zentral die Seligpreisungen sind, auch im Hinblick auf alle Geschehnisse, die sich gerade in Amerika und der Rassismus Debatte abspielen. Am Beispiel von Martin Luther King und im O-Ton Jesu sprach Pfarrer Leipold zu den Gefangenen: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben“ (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ Während der Wind langsam aufkam und die Wolken am Himmel sich schneller bewegten, spielte Diakon Coetsier kräftige Rock-Töne mit seiner Gitarre. Für die international Versammelten wurde das Evangelium in englischer Sprache vorgelesen.


Perspektivlosigkeit entgegenwirken

„Wir freuen uns und danken dem Anstaltsleiter, dem Leitenden Regierungsdirektor Lars Streiberger und dem Sicherheitsdienstleiter Uwe Möchel, dass wir hier draußen Gottesdienst feiern dürfen. Es ist eine gute Sache, wenn der Geist uns lebendig macht und wir wieder zusammen sein können,“ sagen die Seelsorger, „das Brausen vom Himmel hier draußen soll die stickige Luft der Angst, der Perspektivlosigkeit und Hoffnungslosigkeit aus der JVA wegblasen.“ Die Gefangenen freuten sich über das gute Wetter und feierten begeistert mit. Die Menschen im Gefängnis aufatmen zu lassen ist für die Gefängnisseelsorge ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit hinter Gittern. „Von seinem Geist in der Bergpredigt beseelt,“ betonen die Pfarrer, „kann man auch in Corona-Zeiten wieder durchatmen.“

 

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