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Kinofilm: Ist Freiheit das, was man sich nimmt?

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Im Mai 1980 wurde Zürich durch gewalttätige Jugendproteste, die sogenannten Opernhauskrawalle, erschüttert. „Züri brännt!“ hieß ein 1981 vom Videoladen Zürich produziertes Video, das die Jugendunruhen aus Sicht der Aktivist*innen dokumentierte. Entzündet hatte sich der Funke an der konservativen Kulturpolitik der Stadt Zürich. Das Justizdrama „Bis wir tot sind oder frei“ erzählt die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte über Freiheit und Liebe in den 80er Jahren.

Auf den Straßen von Zürich kommt es 1980 bei Demonstrationen immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen der Polizei und jungen Autonomen. Vermummte Polizisten prügeln mit Gummiknüppeln auf unbewaffnete Demonstranten ein und befördern sie in eine Polizeiwanne. Mittendrin die Anwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger): „Ich hol euch hier wieder raus! Wir werden alles ändern. Alles!“ Ein paar Straßen entfernt gelingt dem legendären Ausbrecherkönig Walter Stürm (Joel Basman) zum wiederholten Mal die Flucht aus der Haft. In der Uniform, die er einem Polizisten gestohlen hat, steigt er mit seiner eigenen, umfangreichen Gefängnisakte unterm Arm in ein Polizeiauto.

Schweiz – ein Gefängnis?

Vor Gericht verteidigt Barbara Hug die junge deutsche Autonome Heike (Jella Haase), die wegen Teilnahme an einer unerlaubten Demonstration angeklagt ist. Für Staatswalt Peter Rothenburg (Anatole Taubman) sind die aufmüpfigen Jugendlichen ein rotes Tuch, er will hart durchgreifen: „Was soll das sein, Menschenrechte?“ tobt er. „Wir sind hier in der Schweiz, das ist der solideste Rechtsstaat der Welt. Hier gilt das Schweizer Gesetz und nichts anderes.“ „So machen Sie die ganze Schweiz zum Gefängnis“, kontert Barbara Hug und bricht bewusstlos zusammen. Seit in ihrer Kindheit ein Tumor entdeckt, eine Niere entfernt und sie zu hoch dosiert bestrahlt wurde, ist sie auf regelmäßige Dialyse-Behandlungen angewiesen. Doch wichtiger als ihre eigene Gesundheit sind ihr die Nöte ihrer Mandanten und der Kampf gegen die Missstände in der Schweizer Justiz.

Inhalt

Der Industriellen-Sohn und Berufskriminelle Walter Stürm (Joel Basman), gerade mal wieder aus dem Gefängnis geflohen, sucht den Rat der Anwältin Barbara Hug (Marie Leuenberger). Der charismatische Stürm widerspricht allen Regeln, lebt bedingungslosen Egoismus und gerät dabei immer wieder mit dem System aneinander. Nicht nur die deutsche Autonome Heike (Jella Haase) verfällt seinem jungenhaften Charme, auch die Anwältin fühlt sich zu ihrem Mandanten hingezogen. Als der Ausbrecherkönig erneut im Knast landet, kommt er in Isolationshaft. Und ausgerechnet Stürm, der keiner Ideologie anhängt, wird in linken Kreisen zum Symbol für Freiheit und die Würde des Einzelnen – und zum Objekt der Begierde zweier ungleicher Frauen.

Kinostart

Seine internationale Premiere feierte BIS WIR TOT SIND ODER FREI im Hauptwettbewerb des Internationalen Filmfestivals Tallinn, wo Marie Leuenberger mit dem Preis für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde. Auch beim renommierten portugiesischem Avanca Film Festival erhielt der Film u.a. Auszeichnungen als Bester Film, für die Beste Hauptdarstellerin und die Beste Kamera. Die Deutschlandpremiere fand beim Filmfest Hamburg statt. Port au Prince Pictures bringt BIS WIR TOT SIND ODER FREI am 31. März 2022 in die deutschen Kinos.

 

Anwälte Ströbele und Schily

Mit einem Trick gelingt es Barbara Hug, Heikes Freilassung zu erwirken, unter der Bedingung, dass sie das Land verlässt. Im Foyer des Gerichtsgebäudes lernt sie die deutsche Anwältin Meret Spengler (Bibiana Beglau) kennen, eine Freundin von Heike. Ihre in Schwaben gelegene Villa überlässt Spengler, die Tochter eines SS-Mannes einer alternativen Kommune mit Verbindungen zur RAF. Schon länger schauen die Anwälte in Barbara Hugs Kanzlei voll Bewunderung nach Deutschland, wo die berühmten Anwälte Ströbele und Schily das Gericht als Bühne nutzen. Von dort erhofft sich Barbara Hug frischen Wind für ihren eigenen Kampf. „Ich fände es total spannend, wenn wir uns mit euch deutschen Genossen austauschen könnten. Etwas mehr Kampfgeist täte uns gut!“

Krimineller als Ikone

Als Stürm Barbara Hug bald darauf um Fluchthilfe bittet, fahren die beiden über die Grenze nach Deutschland in Merets Kommune. Dort macht der völlig unpolitische Stürm Eindruck, mit seinen Safeknacker-Künsten und dem Versprechen, 50 Sturmgewehre für den bewaffneten Widerstand zu beschaffen. Ein bisschen missmutig beobachtet Barbara Hug, dass es zwischen Heike und Walter funkt. „Wir können ihn doch beide haben“, wird Heike später sagen. „Ich will ihn nicht für mich haben, ich will ihn frei.“ Doch lange hält es Stürm nicht in Deutschland aus. Sein nächster Anruf kommt schon wieder aus dem Gefängnis, denn bei einem Banküberfall, bei dem sein Kumpel ganz gegen Stürms entschiedene Gewaltfreiheit brutal auf die ältere Kassiererin einschlägt, wird er wieder festgenommen.

Freiheit ist das, was man sich nimmt

Die Konfrontationen zwischen Stürm und der Justiz werden härter, Stürm kommt in Isolationshaft, geht in den Hungerstreik, verweigert die Rasur für eine Gegenüberstellung, wird von Beamten schikaniert. Die Kanzlei kommt ins Visier der Staatsmacht, die überwachten Anwälte streiten sich über ihre Ziele und Methoden. Draußen vor dem Gefängnis demonstrieren die Autonomen, darunter auch Heike, der in der Schweiz das Erziehungsheim droht: „Isolationshaft ist Folterhaft“, steht auf Plakaten und Transparenten. Der unpolitische Stürm wird vor den politischen Karren gespannt.

14 Jahre später wird Stürm entlassen. Wie am Anfang sitzt er noch einmal auf einer Bank und besucht danach seine Anwältin für eine letzte Aussprache. „Was ich dir mitteilen wollte: Freiheit ist das, was man sich nimmt. Und, dass auch du dir deine Freiheit nehmen solltest,“ rät er ihr, sie solle tun, was sie glücklich mache. Als sie im Bad ihre Medikamente holt, ist er verschwunden. Am Ende greift Stürm im Gefängnishof zu einer Plastiktüte, zieht sie über den Kopf und am Hals zusammen – erstickt. Die Anwältin bekommt im Krankenhaus eine Vollnarkose, für eine Nierentransplantation. Er stirbt im grauen Gefängnis. Presseheft…

 

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