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In seiner eigenen, inneren Gefängniszelle gefangen

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In den ökumenischen Gottesdiensten im Gefängnis geht es um Glauben, Hoffnung und Liebe und wie man der inneren Freiheit ein wenig näher kommt. Die Menschen hinter Gittern sitzen fest und finden es oft schwierig die Schatten ihrer Vergangenheit hinter sich zu lassen. Manch ein Gefangener denkt, dass ihm nichts anders übrig bleibt, als in Verzweiflung, Resignation und Niederlage zu leben. Andere bestellen eine Bibel oder Gebetskette und möchten nach neuen Wegen suchen. Die Gefängnisseelsorge ermuntert zum “innerlichen Gefängnisausbruch.” Diakon Dr. Meins Coetsier erläutert dies aus der Seelsorge in der vorweihnachtlichen Knastlage in Osthessen.

Das Licht, das Christen während der Adventszeit erhoffen und an Weihnachten jedes Jahr willkommen heißen, beleuchtet einen besonderen Erlösungsweg, der in die Freiheit führt. Viele Menschen ersehnen Erlösung und möchten aus ihrer persönlichen oder auch kollektiven Gefangenschaft heraus. Nicht nur die Inhaftierten in einer Justizvollzugsanstalt haben zu tun mit der dunklen Seite der Existenz, sondern auch die Menschen draußen, die z.B. wegen der Corona-Situation und andauernden Maßnahmen verzweifeln und sich immer mehr gefangenen fühlen. Können wir trotz allem noch an das Gute glauben – an Gott? Ersehnen wir nicht alle ein würdiges Leben zu führen, das erfüllt ist von Freude, Frieden und Mitmenschlichkeit? Oder haben wir seelisch aufgegeben und sind wir an allen Fronten des Lebens gestrandet?

Unser eigener Hochsicherheitstrakt

„Niemand liebt mich mehr. Ich bin ganz allein – im Abseits. Ich werde sowieso wieder versagen! Die Dinge um uns herum werden sich nie ändern: der Lärm, das Chaos, die Ungerechtigkeit, die Unordnung und der Irrsinn unseres Lebens…“ Diese Art von Glauben hat eine zerstörerische Kraft, die manchen Inhaftierten zusätzlich zu den hohen Mauern, die es schon gibt, in seiner eigenen ‚inneren Gefängniszelle‘ gefangen hält. Solch ein Glaube ist für Menschen wie ein Knast für die Psyche und für das Bewusstsein. Einige befinden sich innerlich in einem Hochsicherheitstrakt: mit den Hafträumen und Flurabschnitten der eigenen Seele, ständig verschlossen und geplagt von Schmerzen, Wut, Ängsten und Süchten. Kann die Seelsorge zu einem inneren Gefängnisausbruch aus dieser Notlage ermutigen? Wie kann man sich von dem lähmenden Griff und von den Fesseln dieser Welt befreien?

Frei denken und fühlen

In einem der letzten Gottesdienste in der hessischen JVA Hünfeld war das Thema, dass eine Art persönliche “Einverständniserklärung” an Gott abgegeben werden kann: Vertrauen schaffen, Dinge geschenen lassen und nicht alles selber machen wollen. Frei denken lernen und fühlen können, damit der Geist lebendig und im Leben wirken kann. So wie es Psalm 107 (10-14) ausdrückt: “Sie, die saßen in Dunkel und Finsternis, gefangen in Elend und Eisen […] Sie schrien zum Herrn in ihrer Bedrängnis und er rettete sie aus ihren Nöten, er führte sie heraus aus Dunkel und Finsternis und ihre Fesseln zerriss er.”

Heraus aus Dunkelheit

Schreien, urteilen und protestieren in unseren Bedrängnissen… Gibt es den Mut einen Blankoscheck auszustellen? Trauen wir uns, alles aus der Hand zu geben und Gott wirken zu lassen? Wenn wir etwas aus den Händen geben hat es den Vorteil, dass wir frei sind und leichter gehen können, anstatt alle Lasten selbst zu tragen. Können wir uns tragen lassen? Spirituelles bewusstes Einverständnis ist weiterführend. Jesus von Nazareth kann ein Vorbild in der Liebe, Barmherzigkeit und Gottes Vergebung für alle Menschen sein. Die Gefängnisseelsorge versucht diese Botschaft  zu vermitteln. Mehr musikalisch auf YouTube…

Meins G.S. Coetsier | JVA Hünfeld + Fulda

 

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