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Handwerksausbildung und Sport in der JVA – ein Interview

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Die Ausbildungsgänge für verschiedene Handwerksberufe in den Justizvollzugsanstalten ist ein wichtige Stütze der Resozailisierung inhaftierter Menschen. Das gleiche gilt für die Sportangebote hinter den Mauern. Beides hat in der Pandemie gelitten. Zeitweise wurde der Sportbetrieb ganz eingestellt. In der hessischen JVA Butzbach fragen wir zwei Bedienstete, die in der Ausbildung und in der Sportabteilung tätig sind. Die erzählen von den Veränderungen.

Ausbildung in Handwerksberufen

Wie hat sich Ihr Dienst in der Handwerksausbildung verändert? An welchen Ereignissen und Gewohnheiten machen Sie die Veränderungen fest?

Die Situation hat sich durch die Pandemie noch verschlechtert. Die Berufsschullehrer können seit Wochen nicht hereinkommen. Da muss ich auch noch die Lehrer ersetzen. Es ist immer fraglich, ob die Prüfungen stattfinden können. Aber bisher hat es noch gut geklappt. Schließlich ist die Ausbildung so wichtig für die Resozialisierung.

Was ist Ihnen bei der Bewältigung der Pandemie am schwersten gefallen? – Was geht Ihnen am meisten auf den Wecker? Welche Einschränkungen belasten Sie am meisten?

Die sozialen Kontakte sind mir ganz wichtig und das ist jetzt ganz schwierig. Z.B. die Geburtstagsfeiern auf ein Minimum zu reduzieren, ist eine Belastung. Die meisten Leute wissen nicht richtig mit der Pandemie umzugehen. Allein die großen Unterschiede beim Maskentragen führen zu Verunsicherungen. Der Lebensmitteleinkauf geht. Aber alles andere unterliegt der 2 G Regel. Manchmal frage ich schon am Eingang eines Geschäftes, ob sie ein bestimmtes Produkt überhaupt vorrätig haben, bevor ich richtig hineingehe und mich ausweisen muss. In der Familie habe ich schon Infektionen erlebt – und auch falsche Testergebnisse.

Welche Hoffnung verbinden Sie mit dieser Krise? Wonach sehnen Sie sich?
Dass die Menschen sich langsam mal besinnen. Ich denke an das Staunen vor der Natur. Vieles lässt sich gar nicht mehr reparieren, was wir schon zerstört haben.

Was fällt Ihnen sonst noch dazu ein?
Ich wünsche meinem Enkel eine erfreuliche Welt. Und – ich denke an die Zen-Geschichte, die sich um die Frage dreht: „Was tust du eigentlich, um dich zu entspannen?“ So fragt der Schüler seinen Meister. Und der antwortet: „Wenn ich gehe, gehe ich. Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich schlafe, schlafe ich.“ „Aber das tun doch alle!“, erwidert der Schüler. „Eben nicht!“ ist die Antwort des Meisters.

O.C., Vollzugsbeamter, Ausbildungsbetrieb

Sport – unter Bedingungen

Grundsätzlich bestimmt der Gesetzgeber: „Schädlichen Folgen des Freiheits-entzugs ist entgegenzuwirken.“ und „Die Gefangenen erhalten Gelegenheit, in ihrer Freizeit Sport zu treiben.“ (HStVollzG § 3 (2), § 31) Der Sport soll ein positives Kommunikationsfeld und einen Erfahrungsbereich bereitstellen, in dem Regeln akzeptiert, eingehalten und kontrolliert werden können. Zu dem Ziel der Resozialisierung sollen auch im Sport Fähigkeiten gelernt und verbessert werden, wie Teamfähigkeit, ein angemessenes Sozialverhalten, die Einhaltung von Regeln und Motivation zu einer konzentrierten Arbeit.

Zu Beginn der Corona Pandemie waren die Gefangenen in der JVA Butzbach im Vergleich zu anderen Anstalten, in denen der Sport ausgesetzt wurde, gut gestellt. Auch im Lockdown, während außerhalb des Gefängnisses bis auf den indivi-duellen Sport aller Sport eingestellt war, gab es für die Gefangenen Hofsport. Im Zuge der folgenden Lockerungen konnte der Sport auch wieder in der Sporthalle stattfinden. Wie in allen Bereichen musste auch der Sport an Bedingungen angepasst werden, von denen keiner eine ganz genaue Vorstellung hatte. Der erste Schritt war eine Verkleinerung der Sportgruppen, was den Effekt hatte, dass eine angenehmere Atmosphäre sowohl zwischen den Gefangenen als auch zu den Bediensteten herrschte. Des Weiteren wurden Sportarten, die einen körperlichen Kontakt zulassen, stark reduziert.

Der Nachteil war, dass trotz einer Erweiterung des Stundenangebots jeder Gefangene nur einmal in der Woche Sport hatte. Hygienemaßnahmen im Bereich des Sports sind: Hände waschen, Abstandsbänder in den Umkleidekabinen, in den Toilettenräumen und im Fitnessraum, Abstandswahrung, Durchlüften der Räumlichkeiten und Desinfizieren der Sportgeräte nach jeder Sportstunde. Voraussetzung zur Teilnahme am Sport ist der Nachweis des Impfstatus. Wann der sportliche Höhepunkt des Jahres, das Sportfest, welches seit 1952 durchgeführt wurde, wieder stattfinden kann, steht noch in den Sternen.

I.K., Vollzugsbeamter in der Sportabteilung

Quelle: Denen, die im Elend leben – seine Liebe.
Eindrücke aus dem Gefängnis, Band 5

 

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