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Gott im Gefängnis – Gebete aus dem Knast

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“Gott, du bist ein verrücktes Wort, das in Jesus Fleisch und Blut wurde und uns seitdem in Lumpen begegnet, im Elend der Slums, in den Gefängnissen der Welt, im hungernden Kind, in der Gestalt derer, die wir Penner nennen. Du kennst dich hier aus. Hautnah bist du uns.“ Dieses Gebet aus dem Buch “Gott im Gefängnis” konfrontiert uns mit einem verrückten Gottesbild: Gott, der in dem kleinen Baby an Weihnachten Mensch wird, drängt zum Rand und will in den Elenden, den Hungernden und Gefangenen gesucht und gefunden werden.

Diese Gottesvorstellung ist einerseits eine Grundvoraussetzung für die Seelsorge mit Strafgefangenen, gleichzeitig widerspricht sich dieser Gedanke. Dass ein Mensch trotz einer abscheulichen Tat einen göttlichen Kern in sich trägt und der Knast ein Ort der Gottesbegegnung sein soll, ist eine  Herausforderung. Das Buch “Gott im Gefängnis” erzählt davon. Bereits im Jahr 1988 wurde das Buch von Wolfgang Burgstaller und Hermann Josef Immekus herausgegeben. Die Gebete und Texte sind von Inhaftierten formuliert und aufgeschrieben worden. “Gebete mit Sprachlosen” oder “Himmel und Hölle” sind nur einige Stichworte, die sich durch das ganze Buch ziehen.

Der Zeichner, Carlos Freixa, aus Argentinien war vier Jahre inhaftiert. Er arbeitete später als Bühnenmaler beim Stadttheater Wuppertal.

Von 1969 bis 1978 hatte Immekus in St. Maria in Lahde in Nordrhein-Westfalen als Pfarrer gewirkt. Seine Gesprächspartner sind tief beeindruckt von der Persönlichkeit und der Lebensleistung des heutigen über 90-Jährigen. Er nahm Menschen in Not im Lahder Pfarrhaus auf: Strafentlassene, die ihre Freiheitsstrafe verbüßt hatten, oder Drogenabhängige. Man brauche „nur Weniges“ aus der Bibel zu kennen, sagte Hermann Josef Immekus 2011 in einem Interview mit der Westfälischen Rundschau. Aber dieses Wenige müsse man wörtlich nehmen. „Christsein muss konkret werden, erst dann versteht man es. Es reicht nicht, zu sagen: Ich glaube. Wir müssen konkret werden und das Konkrete verändert einen.“ In Herdecke gründete er neben seiner Tätigkeit als Gefängnispfarrer eine „Familiengemeinschaft“ zur Resozialisierung von Strafentlassenen.

Wolfgang Burgstaller war von 1979 – 1994 in der Gefängnisseelsorge mit jugendlichen und jungen Erwachsenen Gefangenen in den Justizvollzugsanstalten Iserlohn und Schwerte in Nordrhein-Westfalen tätig. Er ist in Salzburg geboren. Bis heute arbeitet er als freiberuflicher Psychotherapeut im österreichischen Oberstdorf und im Kleinwalsertal. Im Buch kommt seine persönliche Überzeugung und Motivation zur Sprache: Passiert bei der Begegnung mit Gefangenen Begegnung mit Gott, wenn wir an die klaren Worte Jesu denken: „Ich war im Gefängnis und du hast mich besucht“? (Mt 25,36). Gott im Gefängnis – er ist schon vor den Seelsorgern längst da:

„Es kommt aber die Zeit … du kommst und wirst anklagen: Ich war hungrig und durstig – und ihr habt gesoffen und gefressen, nicht gefühlt und nicht geteilt … ich war ein Fremder und ein Ausländer. Und ihr hattet nichts gegen die Parolen an den Wänden und die Sprüche am Arbeitsplatz … ich war im Gefängnis. Von euch hörte ich nur: Strafe muss sein. Dann zogt ihr eure weiße Weste zurecht und ließet mich sitzen … Herr, wir bekennen unsere Schuld.“

Das Buch ist Mitte September 2019 im Rhein-Mosel-Verlag neu aufgelegt worden.

 

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