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Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise: Machtmissbrauch

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Erneut haben Mitarbeitende des Erzbistums Köln, die im pastoralen Diensten arbeiten, einen offenen Brief an ihren Dienstgeber, Erzbischof Rainer Maria Woelki, geschrieben. Sie fordern einen Neuanfang mit „personellen und systemischen Veränderungen“. Nötig sei eine „ehrliche, echte Aufklärung und Ahndung von Missbrauch und Gewalt jeglicher Art mit staatlicher Unterstützung und professioneller Aufsicht“, heißt es in der Stellungnahme. Mitunterzeichnet haben auch in der Gefängnisseelsorge Tätige.

Lange bevor die PR Strategie von Rainer Maria Woelki bekannt und seine viermonatige Auszeit erfolgte, gab es einen Offenen Brief von pastoralen MitarbeiterInnen an den Erzbischof. Passiert ist damals nicht viel. Jetzt gibt es wieder einen Brief mit klaren Aussagen und Forderungen. Ob das etwas bewirkt? Der Druck auf die Verantwortlichen und den Erzbischof von Köln wird dadaurch erheblich größer. Macht soll geteilt und kontrolliert sowie bei Konflikten durch Fachleute professionell geklärt werden, lautet die verschärfte Forderung. „Die Priesterweihe allein darf kein Ausweis für Entscheidungsmacht mehr sein. Es zählt die berufliche Kompetenz.“, so eine Aussage in der Erklärung. Unterzeichnet ist die Stellungnahme von Pfarrern, Pastoral- und Gemeindereferentinnen, MitgliederInnen des Diözesanen Pastoralrates (DPR) sowie der Leitung der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Erzbistum.

Das Statement

Wir als UnterzeichnerInnen sind betroffen und entsetzt. Die neuerlichen Enthüllungen über die Kommunikationsstrategie des Kardinals und seiner Mitarbeitenden in der Leitung empören uns. Trotz größter Skepsis haben einige von uns seit der Wiederkehr des Erzbischofs versucht, den Dialog mit ihm aufzunehmen. Mit dem Bekanntwerden der PR-Strategien aber hat Kardinal Woelki sein letztes Vertrauen verbraucht. Die Krise hat nun einen nicht vorstellbaren Tiefpunkt erreicht, die auch die Stellungnahme von Generalvikar Guido Assmann in keiner Weise bewältigen kann. „Die Beauftragung einer Kommunikationsagentur allein ist noch nicht verwerflich. Inakzeptabel aber ist die Strategie, die von der Agentur vorgeschlagen wurden. Sie auch noch ein zu eins umsetzen ist eines katholischen Christen und erst recht eines Kardinals nicht würdig.“ erklärt Ingrid Kloß, stellvertretende Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft. „Es ist ein perfider Rat, den Einsatz für zügigere Anerkennungszahlungen als ‚Joker‘ in der Hinterhand zu halten, statt dies ohne Vorbedingung voranzutreiben. Unmöglich in der Nachfolge Jesu,“ so Ilsetraut Ix, Fachleiterin für Katholische Religionslehre i. R.

Instrumentalisiert worden

„Die Strategie des Dementierens, Beteuerns und Versicherns ist hinlänglich bekannt, kann aber kein Vertrauen herstellen. Die Vorwürfe, die auf dem Tisch liegen, entsprechen außerdem genau der Wahrnehmung einiger Betroffener, die von Druck, Überrumpelung und Instrumentalisierung berichtet haben und daraufhin ihre Mitarbeit im Betroffenenbeirat niedergelegt haben“, stellt Regina Bannert, Sprecherin des Berufsverbands der Pastoralreferent:innen, fest. Wir schließen uns den Aussagen Betroffener an: Der Betroffenenbeirat ist in dem Streit um die Gutachten instrumentalisiert worden. Es war und ist nicht zu erkennen, dass die Betroffenenperspektive handlungsleitend war und ist. Wir erfahren uns in den verschiedenen Gesprächskontexten und in den verschiedenen Räten ebenso benutzt und bisweilen auch instrumentalisiert, um den Kardinal und ein offensichtlich nicht mehr funktionierendes System zu schützen.

Layalitätskonflikte

„Ich bin tief erschüttert über die Enthüllungen der PR- Beratungsstrategien. Die Glaubwürdigkeits- und Vertrauenskrise in unserem Bistum ist an einem neuen Tiefpunkt angelangt. So kann keine Kultur der Offenheit, Authentizität und Transparenz entstehen. Für mich ist momentan die Voraussetzung für einen Dialog mit der Leitung rund um Erzbischof Woelki nicht mehr gegeben“, so Regina Oediger-Spinrath, Sprecherin des Berufsverbands der Pastoralreferent:innen. „Wir geraten immer tiefer in Loyalitätskonflikte. In dieser entsetzlichen Situation wird es immer schwieriger, die Frohbotschaft des Evangeliums und eine positive Kirchenerfahrung im Religionsunterricht weiterzugeben.“, so Agnes Steinmetz, Mitglied im Diözesanen Pastoralrat. „Ich komme an meine Grenze, was mein Gehorsamsgelübde dem Bischof gegenüber angeht und frage mich, wozu ich die Treue versprochen habe.“, so Klaus Thranberend, Pfarrer.

Aufstehen und Einstehen

„Wir dürfen und wollen nicht länger schweigen. Es darf aus unserer Sicht auf keinen Fall ein „Weiter so“ in unserem Bistum geben. Es bedarf einer schonungslosen und unabhängigen Aufarbeitung des Umgangs mit spirituellem Missbrauch und sexueller Gewalt durch staatliche Stellen. Der Kardinal hat durch sein Verhalten nun endgültig das Vertrauen verspielt. Es ist Zeit AUFZUSTEHEN“, so
Gemeindereferentin Marianne Arndt. „Die Bistumsleitung hat in erster Linie ihren eigenen Machterhalt im Blick. Dieses Agieren ist zynisch und traumatisiert die Betroffenen immer wieder neu“, so Pastoralreferent Peter Otten. Wir fordern einen wirklichen Neuanfang. Dazu gehören auch personelle und systemische Veränderungen. Aufstehen und Einstehen für alle Betroffenen und für eine Kirche, die die Menschen annimmt und sich auflehnt gegen Machtmissbrauch. Das Statement im Wortlaut…

 

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