Das Heilige Jahr geht auf das ersttestamentliche Jubeljahr zurück. Alle 50 Jahre wurden in Israel die Schulden erlassen, Besitz wurde rückerstattet und Sklaven oder Gefangene erhielten ihre Freiheit. Kann man dem Jubiläumsjahr einen besonderen, ursprünglichen Charakter verleihen, indem man Gefangene entlässt? In Mosambik war das möglich durch die Hilfe von Gefangenen in den Haftanstalten Deutschlands.

Doris Schäfer 2024 zu Besuch bei Antonio Perretta in Mosambik.
Ein großer Teil der Gefangenen in Mosambik können nach Verbüßung der Halbstrafe entlassen werden, wenn sie eine kleine Verwaltungsgebühr bezahlen. Dies ist für die Überfüllung der dortigen Gefängnisse von großem Vorteil. Leider können viele Gefangene die geringe Gebühr nicht aufbringen und müssen deswegen bis zum Ende ihrer Strafzeit im Gefängnis bleiben.
Sammeln für Mosambik
Gefangene der Justizvollzugsanstalt Bremen haben mit ihrem Gefängnisseelsorger Richard Goritzka im Sonntagsgottesdienst Geld gesammelt, um die Verwaltungsgebühr für einige Gefangene in Mosambik zu übernehmen. Insgesamt kamen mehr als 200 Euro zusammen. Durch private Spenden wurde der Betrag auf 500 Euro erhöht und an den Gefängnisseelsorger Pater Antonio Perretta des Hochsicherheitsgefängnisses Machava in der Hauptstadt Maputo überwiesen. Dort konnten insgesamt 13 unge Gefangene auf diese Weise noch während des Heiligen Jahres freikommen. Jeder Tag im Gefängnis vermindert die Chance auf Wiedereingliederung in ein normales, straffreies Leben für diese Jugendlichen. Die Kosten betrugen zwischen 7 Euro und 80 Euro pro Gefangenen.
Situation in Mosambik
Tete liegt im Nordwesten von Mosambik und ist trauriger Rekordhalter, das überfüllteste Gefängnis des Landes zu besitzen. In Zellen von 20 bis 25 qm sind bis zu 80 Gefangene untergebracht. Man schläft am Boden oder auf Matten – aber selbst wenn man sich nachts wie Sardinen stapelt, können nie alle Gefangene gleichzeitig schlafen. Die Habe ist in Plastiktüten mit Nägeln an der Wand aufgehängt. Immerhin gibt es zweimal am Tag etwas zu essen, jedoch immer nur den gleichen Maisbrei. Doris Schäfer, die Leiterin der Arbeitsgemeinschaft International, war zum Jahreswechsel 2019/2020 im mosambikanischen Tete, um den Fortgang eines Projektes zu begutachten, für das sie im Rahmen der Gemeinschaft Sant’Egidio in Deutschland Geld gesammelt hatte. Die finanziellen Mittel wurden eingesetzt, um in der Männeranstalt von Tete eine Krankenstation zu bauen, die Haftzellen mit einer Toilette und einer Dusche auszustatten und die Anstalt insgesamt an die Wasserversorgung der Stadt anzuschließen. Dafür wurden auch zwei Zisternen gebaut, da es in der Stadt Tete nicht den ganzen Tag Wasser gibt. Auf diese Weise kann das Wasser, wenn es fließt, gesammelt werden, damit es dann rund um die Uhr zur Verfügung steht. Mehr lesen…





