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Fällt dieses Jahr das Weihnachtsfest doch nicht aus?

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Weihnachten am 24.12. nicht vergessen! Im Getümmel aller anderer Hinweise und Möglichkeiten im Leben ist der Inhalt des Weihnachtsfestes längst vergessen worden. Vielleicht wird durch Corona der ganze Rummel und Glitzerglanz um dieses Fest für die eigentliche Botschaft geöffnet.

Weihnachtsmärkte werde abgesagt. Konzerte in der Adventszeit finden nicht statt. Und wie an Heilig Abend die Gottesdienste gefeiert werden können, wird gerade heftig diskutiert. Das Osterfest fiel dieses Jahr schon dem Lock-down zum Opfer. Weihnachten soll nicht genauso ausfallen. Nach wie vor bestimmen die Corona-Infektionszahlen unseren Alltag draußen. Hinter Gittern gehen wir mit Sätze, die auf „fällt-aus“ enden, gelassener um.

Die Krippe in der Kirche der Justizvollzugsanstalt Herford am Weihnachtsfest 2019.

Was soll man auch machen, wenn es heißt: „Die Freizeitgruppe XY fällt aus!“, „Der Sport fällt aus!“ oder der „Umschluss fällt heute aus!“ Und doch gibt es Unterschiede: „Mein Geburtstag fällt aus!“, „Mein Besuch meiner Eltern oder meiner Freundin fällt aus!“ oder „Das Telefonieren fällt aus!“ Auch da können wir nichts machen. Und dennoch gehen uns diese Absagen richtig unter die Haut. Bedeuten sie doch viel mehr als nur eine Freizeitgruppe, ein Sportangebot oder ein Umschluss weniger in dieser Woche. Besuch, Telefonat oder z.B. mein 18. Geburtstag, das sind schon besondere Momente, die wir brauchen, ganz besonders hinter Gittern.

Wer soll mir sonst zeigen, dass ich meinen Eltern oder meiner Freundin wichtig bin? Was soll mir sonst anzeigen, dass ich im Leben jedes Jahr mindestens einen ganz besonderen Tag habe, mein Geburtstag. Und 18 Jahre wird man nur einmal! Im Knast fühlen sich solche Momente richtig mies an, wenn diese Dinge quasi ausfallen. Sie machen mir meine Ohnmacht so richtig deutlich, dass ich nichts aber gar nichts machen kann.

Zurück zu Weihnachten. Kann Weihnachten überhaupt ausfallen – auch und vor allem in Corona-Zeiten? Im Gegensatz zum Alltag draußen, stellt sich das Problem für uns eher nicht. Die Quarantänebestimmungen der Justiz geben uns den nötigen Freiraum. Weihnachten wird im Gefängnis stattfinden! Mal eine gute Nachricht. Aber ist dies für uns wichtig? Für mich ist Weihnachten ein ganz besonderer Tag. Vom Gefühl her wie ein 18. Geburtstag. Dabei ist es ja auch wirklich ein Geburtstag: der Tag der Erinnerung an die Geburt Jesus von Nazareth vor 2000 Jahren. Und mit diesem Erinnerungstag ist eine ganz besondere Botschaft verbunden: „Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, … denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Dies singen die Engel bei den Hirten auf dem Feld in der Nacht als Jesus geboren wurde.

Weihnachten ist also der Tag der Freude, der Furchtlosigkeit und für uns Christen der Tag der Geburt des Sohnes Gottes. Daran will ich immer wieder erinnert werden, deshalb kann und darf Weihnachten nicht ausfallen. Ganz gleich ob wir ihn im Gefängnis oder draußen sind, ob wir ihn in Corona-Zeiten oder Nicht-Corona-Zeiten feiern. Weihnachten ist wie mein oder unser 18. Geburtstag: Er findet statt. Er ist einmalig und er hat ganz allein mit mir bzw. mit uns zu tun.

Stefan Thünemann, JVA Herford | Pop Shop 12/2020

 

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