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Corona Pandemie oder nicht, es ist was es ist: Herbst.

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Der graue Monat November naht. Ein Monat wie jeden Herbst wird dieser sicher nicht. Wieder einmal gibt es massive Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. Ein “Light Locktown”. Geschlossene Restaurants, Kontakt- und Abstandsgebote und Maskenpflicht. Einmal die Pausetaste drücken? Die Natur hält sich nicht daran. Die Blätter werden bunt und fallen ab. Ein herrliches Schauspiel. Sehen wir das noch? Die Bäume werden garantiert wieder blühen. Daher kein Grund zu resignieren. Der Gefängnisseelsorger Meins Coetsier schreibt seine Gedanken zum Herbst. “Das Leben hat einen Sinn, garantiert”, sagt er.

Die Sonne sinkt, vieles verblasst. Der November liegt im Nebel. Aber das macht nichts. Oder? Corona, du hast nichts dagegen. Bist du es, die wir fürchten müssen? Warum kommst du, warum jetzt, was hast du für einen Sinn? Der Winter kommt, bald. Und wir fühlen uns im stillen Dunkel nicht so groß. Mutter Erde, Tränen fließen überall in Deinen Schoss… Und ich sehe unsere Schatten, während letzte Blätter in ihren bunten Farben im Abendlicht trotzen. Bitte Vater, Gott, lass DU die Winde los! Die dunkle Nacht hinter den Sternen umhüllt meine vielen Fragen. Was können wir als einfache Geschöpfe noch glauben? Was dürfen wir Menschen noch hoffen und tun? Jetzt, da so viel auf dem Spiel steht; jetzt, da es in den Kirchen still geworden ist und wir auf hoffende Worte warten.

Der österreichische Lyriker Rainer Maria Rilke (1875-1926) spricht weise Worte zu meiner Seele: Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. Jetzt berührt eine verlorene und gefangene Welt Dich, während sie taumelnd ihre Vergänglichkeit umarmt. Still wird’s bei vielen, wo das Licht langsam ausgeht. Wir brauchen Dich so sehr, aber wird es ein „fröhliches“ Weihnachten geben dieses Jahr, auch, wenn unser Glück in 2020 gestorben ist? Mach Licht, schenke Licht und Trost in stillen dunklen Tagen, Deine Liebe durch alle Weiten, alle Zeit. Herbstkräftige Stürme, Gewitter und sanfte Winde begleiten uns im November. Bilder von fallenden farbigen Blättern, rote und gelbe, Wald und Wiesen träumen nun mit uns.

Ich schaue durchs Fenster nach draußen und höre Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (Le quattro stagioni) im Hintergrund. Diese Violinkonzerte erzählen mir von Deinen Jahreszeiten und vom Geheimnis Deiner Schöpfung. Ich höre die verschiedenen Klänge der Natur und glaube wieder, dass unser Leben Sinn hat, Sinn entfalten kann, trotz allem. Corona Pandemie oder nicht, diese Jahreszeit ist– Gott sei Dank – was sie ist: Herbst. Und jetzt raus in die Feier der Natur! Denn heute löst sich etwas. Hoffentlich. Tanze nur, ja tanze mit den Blättern wie ein Kind!

Diakon Dr. Meins G.S. Coetsier | Fotos: Mary-Louise Tilghman 

 

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