Sein Blick fällt auf die brennende Kerze auf dem Tisch im Büro des Gefängnisseelsorgers der Justizvollzugsanstalt. „So gerne wäre ich heute beim Altweiberfasching mit meiner Freundin am Feiern“, meint der 21-jährige. Er wurde auf einem Discounter Parkplatz von der Polizei festgenommen. „Rein zufällig“, weil er dort außerhalb der Öffnungszeit parkte. Er wusste, dass er ein Haftbefehl offen hat.

Im Gespräch zeigt sich, dass der Inhaftierte wegen Betrugs in mehreren Fällen angeklagt war und eine Bewährungsstrafe erhielt. Er verkaufte Waren über eBay und verschickte sie nicht. Ohne einen gültigen Führerschein zu haben, fuhr er ein Kraftfahrzeug. Er tankte an Tankstellen, ohne zu bezahlen. Der bärtige junge Mann wusste, dass er einen offenen Haftbefehl hatte. Trotzdem verhielt er sich so, als wäre das alles nicht passiert. „Irgendwie hofft man ja immer, ich wollte nicht in den Knast“, entschuldigt er sich. Doch das hilft ihm nicht weiter. Er sitzt in Strafhaft des Jugendvollzuges und wartet auf seinen Vollzugsplan.
„Mist gemacht“
„Insgeheim hoffe ich, dass ich in den offenen Vollzug komme. So kann ich mehr Kontakt zu meiner Familie haben und habe mehr Freiheiten“, sagt er. Die Aussichten dafür sind jedoch nicht vielversprechend. Der Münsteraner hat einen Bewährungswiderruf und außerdem noch mehrere offene Verfahren. „Mist gemacht“, nennt er es. Seine Familie und seine Freundin stehen ihm bei. Sie kommen einmal die Woche zu Besuch. Vor fünf Jahren war er schon einmal im Jugendvollzug. „Vieles hat sich hier verändert“, meint er. Damals war er noch minderjährig. Vielleicht hat sich im Laufe der Jahre sein Blickwinkeln verändert?
„Gehöre hier nicht hin“
Leichtigkeit und ausgelassene Freude im Fasching kann er im Strafvollzug nicht haben. So schaut der junge Gefangene im Fernsehen die Sitzungen des Karnevals in Köln an und denkt an seine Freundin. Diese würde nach seiner Inhaftierung jetzt auch nicht zum Feiern gehen, hofft er. Zum Feiern ist ihm nicht zumute. Im Jugendvollzug wurde er vor Kurzem von einem Mitgefangenen wegen einer Lappalie körperlich angegangen. Er wurde in die Klinik gebracht, wo nach der Attacke seine Verletzungen am Kinn versorgt wurden. „Ich gehöre hier nicht hin“, sagt er. „ich bin weder gewalttätig, noch bedrohe ich irgendwelche Leute hier“ versichert er. Als Betrüger hat der Gelegenheitsarbeiter einige Schulden angehäuft und ist derzeit noch im privaten Insolvenzverfahren. Aber er bereut seine Taten und gelobt Besserung. Vielleicht ist seine Inhaftierung dieses Mal eine letzte Warnung für ihn, sein Leben zu ändern? Mit Hilfe seiner stabilen Familie und seiner Freundin, wird er es hoffentlich schaffen, nicht mehr straffällig zu werden. „Dann kann ich auch wieder Karneval feiern“, grinst er. Drei Jahre und sechs Monate wird er noch darauf warten müssen
Michael King





