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Gefängniskleidung wird zu einer liturgischen Stola umgenäht

16. März 2026

Beim Ausbildungskurs „Kirche und Justizvollzug“ in Hünfeld wird dem Generalvikar des Bistum Limburg, Dr. Wolfgang Pax, eine liturgische Stola überreicht. Sie ist in der Farbe violett, der Farbe in der Fastenzeit und sie wurde aus Gefängniskleidung hergestellt. Violett kombiniert die Stabilität von Blau und die Energie von Rot. Lavendel, Orchidee, Flieder und violette Blüten gelten als zart und kostbar.

Michael Kullinat von der JVA Schwalmstadt (links) und Alexander Rudolf (JVA Weiterstadt) überreichen dem Generalvikar des Bistum Limburg, Dr. Wolfgang Pax, die Knast-Stola bei der Ausbildungstagung „Kirche im Justizvollzug“ in Hünfeld. Foto: Frank Kribber

„Wann haben wir dich krank und im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Was ihr für einen einer meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Matthäus 15, 39). Im Gefängnis kommt man um die Matthäusstelle nicht herum. Durch diese wurde das Besuchen von Inhaftierten zu einem der sieben Werke der Barmherzigkeit. Ein Auftrag Jesu diejenigen nicht zu vergessen, die Schuld auf sich geladen haben, die Umkehr und Erneuerung brauchen. Der Ansporn, um aus den engen pharisäischen Grenzen die Realität der Welt hinauszutreten; mit all ihren Ungereimtheiten, Halbwahrheiten und (Not-)Lügen; mit all ihrer Sünde, ihrer Schuld, ihren großen und kleinen Verbrechen und mit der Zusage Gottes, dass er die Welt bereits erlöst hat.

Begegnung mit Christus

Als GefängnisseelsorgerInnen lässt dieser Vers in der jahrelangen Konfrontation mit Gefangenen, mit Justizvollzug und Inhaftierung aft Freude und Hoffnung, Trauer und Angst hinter Mauern die Erkenntnis reifen, dass sich Christus unter die Schar der Gefangenen einreiht, er ist, er wird einer von ihnen. Ein Besuch bei einem Gefangenen ist kein bloßes frommes Werk, weil Jesus es gesagt hat, er wird zur Begegnung mit Christus selbst: Er ist da. Das kann und soll nichts von der Verantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln wegnehmen; das kann und darf keine billige Entschuldigung für mitunter sehr befremdliche und bisweilen grausame Taten sein – aber dennoch: Er ist da. Dann wird auch die Anstaltskleidung, die die Gefangenen tragen, zum Gewand Christi, der seiner Kleider beraubt wurde.

Gefängniskleidung umgefärbt

Die Stola wurde aus Gefangenenkleidung gefertigt, aus Hemden und Hosen, die Gefangene während ihrer Arbeit trugen. Die Stola anzuziehen heißt, das Kreuz Christi mitzutragen. In Schuld und Sünde hinein hat er das beginnende Gottesreich verkündet, In seinem Tod und seiner Auferstehung die Welt von Schuld und Sünde erlöst. Die blauen Arbeitshemden der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt mussten umgefärbt werden. Was hätte rot werden sollen ist violett geworden – die liturgische Farbe für die Zeit der Vorbereitung, der Umkehr und der Buße nahm Einzug in das Alltagsbild des Lebens im Gefängnis. Die ausgemusterten Hemden und Hosen wurden in der Gefängniswäscherei professionell gereinigt, in der Schneiderei der JVA Weiterstadt von Gefangenen zugeschnitten und zu Stolen genäht.

Alexander Rudolph

 

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