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Die Kinder von Inhaftierten sind Teil unserer Gesellschaft

6. April 2026

Wenn ein Elternteil inhaftiert ist, verändert sich das Leben eines Kindes oft grundlegend. Doch während über Haft, Resozialisierung oder Sicherheit viel diskutiert wird, bleiben die Kinder selbst meist unsichtbar. Ihre Fragen, ihre Unsicherheiten, ihre Hoffnungen – sie verschwinden oft im Hintergrund. Die Ausstellung „Echo im Spielzimmer“ setzt da an. Sie macht jene Stimmen hörbar, die sonst kaum jemand wahrnimmt.

Die Figur „Leo Licht“ informiert zum Besuch im Gefängnis.

Entstanden aus Erfahrung

Konzipiert wurde die Ausstellung zum 10 jährigen Jubiläum des Vereins „Die Flamme der Hoffnung The Flame Of Hope e.V.“ von zwei Gefängnisseelsorgern: Martina Stamm und A. Engelbert Petsch. Beide sind Mitglieder im Vorstand des Vereins und seit vielen Jahren im familiensensiblen Vollzug engagiert. Die berufliche Tätigkeit mit einem Herz für Kinder von Inhaftierten, weitete sich seit 2019 zusätzlich in das ehrenamtliche Engagement aus und wurde im Jahr 2024 mit dem Ehrenamtspreis der Justiz Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Ihr Einsatz begann in der JVA Bützow, wo sie früh erkannten, wie sehr Kinder unter der Inhaftierung eines Elternteils leiden – und wie wenig Raum es gibt, darüber zu sprechen. Seit einiger Zeit begleitet der Verein  Familien in der JVA Plötzensee. Die Erfahrungen aus beiden Anstalten flossen in die Entwicklung der Ausstellung ein.

Nachdenkliche Statements

Die Ausstellung besteht aus acht Bannern, die jeweils ein prägnantes, bewusst reduziertes Statement tragen. Keine langen Erklärungen, keine Überfrachtung. Stattdessen kurze, klare Sätze, die treffen. Sätze, die stehen bleiben. Sätze, die nachwirken. Jedes Banner beleuchtet einen anderen Aspekt der Lebenswelt dieser Kinder:

die Unsichtbarkeit, die sie begleitet,
die Scham, die sie oft verschweigen,
die Bindung, die trotz Mauern bleibt,
die Stärke, die sie entwickeln müssen,
die Unterstützung, die ihnen Halt gibt,
die Hoffnung, die sie trotz allem trägt.

Die Banner wollen nicht belehren, sondern sensibilisieren. Sie öffnen einen Raum, in dem man sich selbst und die eigene Haltung hinterfragen kann.

Botschafter Leo Licht: Haltung, die trägt

Begleitet wird die Ausstellung von Vereinsbotschafter Leo Licht, der seit vielen Jahren für die Rechte und Bedürfnisse dieser Kinder eintritt. Es ist eine lächelnde Figur mit Flammen über seinem Kopf. Sie erinnert daran, dass Kinder keine Schuld tragen – aber oft die Folgen. Seine Stimme verleiht der Ausstellung eine menschliche Tiefe, die weit über die Information hinausgeht. Der Titel „Echo im Spielzimmer“ ist bewusst gewählt. Ein Echo entsteht nur, wenn etwas gehört wird. Die Ausstellung schafft einen Raum, in dem die Stimmen der Kinder nicht übertönt werden, sondern nachhallen dürfen. Die  Statements wirken wie Resonanzpunkte: Sie öffnen, ohne zu überfordern. Sie berühren, ohne zu bedrängen. Sie sensibilisieren, ohne zu dramatisieren. Am 4. Juni 2026 wird die Ausstellung im Rahmen des Sommerfestes für Kinder von Inhaftierten der JVA Plötzensee erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt – mit internen und externen Gästen. Für viele wird dies ein seltenes Fenster in eine Welt sein, die sonst hinter Türen und Schweigen verborgen bleibt.


Für andere Justizvollzugsanstalten verfügbar

Die Ausstellung ist mobil konzipiert und kann bei Bedarf an andere Justizvollzugsanstalten ausgeliehen und dort gezeigt werden. Sie eignet sich sowohl für Mitarbeitende als auch für Fachkräfte, Ehrenamtliche und alle, die sich mit den Lebensrealitäten von Kindern inhaftierter Eltern auseinandersetzen möchten. Damit wird „Echo im Spielzimmer“ zu einem Angebot, das über einen einzelnen Standort hinaus wirkt – ein Beitrag zur Sensibilisierung, der dort Platz finden kann, wo Menschen bereit sind, hinzuhören. Kinder von Inhaftierten sind keine Randnotiz. Sie sind Teil unserer Gesellschaft – und sie brauchen Menschen, die ihre Realität verstehen. „Echo im Spielzimmer“ macht sichtbar, was oft übersehen wird, und gibt den Kindern etwas zurück, das ihnen häufig fehlt: Aufmerksamkeit, Respekt und einen Raum, in dem ihre Erfahrungen ernst genommen werden.

A. Engelbert Petsch, Vorsitzender
Die Flamme der Hoffnung – The Flame Of Hope e.V.

 

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