Knast bedeutet nicht zwingend im „Nichts“ zu wohnen. „Also fing ich an pragmatisch zu denken und meine Gedanken auf den ´Wohnraum´ zu übertragen. Wie bei einem „Tatmotiv“ haben auch meine Wandmotive eine Bedeutung. Alles hat zwei Seiten: Vor- und Rückwand, gutes und schlechtes. Knast kann schlecht sein, wenn man(n) es zulässt“, so sagt der Gefangene als Graffitikünstler der Zelle 8011.
Bei diesem Projekt wird dem Gefangenen ausnahmsweise erlaubt, seinen Haftraum prototypisch-malerisch zu gestalten. Ansonsten würden Inhaftierte eine Schadensmeldung für Sachbeschädigung bekommen. Der Gefangene produziert innere Bilder und setzt diese an den Knastwänden um. Oft sind Bilder im Kopf nicht greifbar nahe, sie wollen jedoch für eine positive Zukunft sprechen und an eine positive Zukunft erinnern. „Auch nachfolgende Inhaftierte sollen vom Ergebnis des Projektes mit dem Titel ´Galerie 8011´ profitieren“, sagt der Künstler. Durch die Farben in Kombination mit den Motiven soll Energie aufbaut werden, um den Glauben an sich selbst nicht zu verlieren. „Denn es ist einfacher zu bleiben, wer und wo du bist, als der zu werden, der du sein kannst“, so der inhaftierte Mann. Er sagt: „Ich halte die Wahrscheinlichkeit, dass nachfolgende Gefangene im Haftraum an die Wände malen oder kritzeln für gering und hoffe, dass mein Werk somit lange erhalten bleibt.“



Mittendrin im Haftraum der „Galerie 8011“. 8011 ist eine Haftraumnummer. Buntstifte gibt es Antrag von der Gefängnisseelsorge. Gerne werden Bilder für die Kinder zu Hause gemalt: Ein Gruß von Papa aus dem Gefängnis. Ein Gruß von Herzen, der bei Kindern gut ankommt. Malen und Zeichnen ist ein Mittel zur Ablenkung und der Beschäftigung mit sich selbst. Ein fröhlicher Gefangener strahlt: Offenherzig, gut gelaunt, einfach sympathisch. Ob er noch mehr Stifte bekommen könnte, fragt er den Gefängnisseelsorger. Es entstehen wunderschöne Motive mit Aussagekraft, künstlerisch wertvoll. Die Bediensteten stehen im Spannungsbogen zwischen Sachbeschädigung und Bewunderung dieser Haftraumkunst Es gibt trotzdem weitere Buntstifte für einen Entwurf auf Papier für die Gestaltung einer dunklen Ecke in der Anstaltskirche. Der Entwurf ist noch nicht fertig, die Stifte aber schon wieder aufgebraucht für eine „neue Galerie an den Wänden der Knastkirche oder eines anderen Haftraumes… Ob die „Galerie 8011“ des Haftraumes in absehbarer Zeit wieder weiß übergestrichen wird?
Thomas Langer | JVA Hannover





