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Knigge-Seminar in JVA: Verhalten bei Unsicherheit mit Missgeschicken

17. Juni 2026

„Was habe ich falsch gemacht bei meiner Vorstellung?“ – so begann Marc Nelson, Knigge-Trainer aus Hamburg, seinen dreistündigen Workshop in der JVA Bochum und tags darauf in der JVA Duisburg. Schnell hatten die Inhaftierten mit einem scheuen Lachen angemerkt: „Dein Hosenträger guckt raus!“ und „Dein Hosenschlitz ist offen!“. Aber seine lauten Worte und sein zu Nahekommen mit „Nelson! Marc!“ musste er erklären: “ So stellt sich nur James Bond vor – wir machen das nicht so!“

Sich grob oder fein ausdrücken? Welchen Abstand hält man und wer drückt durch welche Geste Macht und Dominanz aus?

Marc Nelson versteht sein Engagement als Arbeit an einer freundlicheren und respektvolleren Gesellschaft. Der Verrohung in Sprache, Gestik und Taten setzt er entgegen: Respekt, Freundlichkeit und anständiges Benehmen. Der Handschlag zur Begrüßung: Wie entstand er, welche Bedeutung hatte er ursprünglich? Wie fest drückt man die Hand? Welchen Abstand hält man und wer drückt durch welche Geste Macht und Dominanz aus? Salutieren – der Gruß aus der Ritterzeit mit dem Signal: ich will dich sehen, ich öffne mein Visier!, nahm er als Aufhänger für die Frage: Wen seht ihr? „Lächelt die Menschen an, sprecht kurz mit ihnen – und es wird schöner für euch selbst!“

Unsicherheit bei Missgeschicken

Kleine Komplimente aus „soziale Schmiere“ für den Alltag, die vielen Menschen das Gemüt aufhellt und einem selbst Freude macht bis hin dazu, dass man in der dadurch hergestellten Verbundenheit eher erreicht, was man möchte. Aber auch: Wie trete ich dem Richter gegenüber, wenn es nicht zu devot und nicht zu forsch sein soll? Wie betrete ich ein Restaurant mit einer Frau, wie bestelle ich, wer zahlt? Wie halte ich Teller, Serviette und Glas beim Buffet? Das konnte direkt ausprobiert werden bei unserem kleinen Buffet. Wer lädt zum Duzen ein? Darf man ein Duz-Angebot ablehnen und wenn ja, wie mache ich es taktvoll? Wie hustet und niest man? Und schließlich: Verhalten bei Unsicherheit bei fremden Gruppen sowie Umgang mit Missgeschicken wie offener Hosenschlitz oder ein umgefallenes Glas – es blieb abwechslungsreich. Marc Nelson verstand es hervorragend, die Aufmerksamkeit der Männer zu wecken, Unsicherheiten zu überwinden und in lockerer Atmosphäre Grundformen von Anstand und gutem Benehmen zu thematisieren.

Lernwilligkeit Inhaftierter

Drei Stunden lebendiges Gespräch, kleine Sketche zu gutem Benehmen und was man besser unterlassen sollte wie z.B. muffeliges Auftreten, näher als 60 cm kommen oder aufgesetztes Lächeln – sie vergingen wie im Fluge. In der Pause am kleinen Buffet entstanden Gespräche zwischen Referent und Gefangenen, bei denen es um bessere Lösungen für Haftsituationen ging. Mit leuchtenden Augen, lachend, in guter Laune, in lebendiger Kommunikation untereinander und mit Kommentaren wie „Coole Aktion!“, „Ich geh nie in Gruppen, aber so was gerne wieder!“, „Danke von Herzen!“, „Das muss ich unbedingt den anderen erzählen!“ endete diese intensive Zeit. Ein voller Erfolg für alle – auch Herr Nelson, der das 1. Mal in einer geschlossenen JVA war, war mehr als beeindruckt von der Offenheit und Lernwilligkeit der inhaftierten Männer.

Elisabeth Kämmerling | JVAen Bochum und Duisburg

 

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