Eine dicke Kerze steht im Bereich der vielen kleinen Kerzen in einer Ecke des Trier Doms. Sie brennt wie das „ewige Licht“ dauerhaft. Die Kerze und die angebrachten Tonfiguren dahinter erinnern an die Amokfahrt in der Stadt 2020. Weihbischof Jörg Michael Peters erzählt an diesem Erinnerungsort den GefängnisseelsorgerInnen, die im Jugendvollzug arbeiten, den Hintergrund.



Bei der Amokfahrt am 1. Dezember 2020 in der Trierer Fußgängerzone wurden sechs Menschen getötet, zahlreiche weitere verletzt und traumatisiert. Die Tonfiguren zeigen Menschen, sitzend oder zusammengekauert, die den Kopf in den Händen vergraben haben. SchülerInnen aus Saarburg haben sie nach der Amokfahrt im Kunstunterricht gefertigt. Die zerbrechlichen Tonfiguren zeigen, wie flüchtig das Leben sei. Sie sollten an das Leben erinnern, „damit uns die Trauer nicht überwältigt“, so der Weihbischof.
Lichter der Hoffnung
Jörg Michael Petes führt die 17 GefängnisseelsorgerInnen durch den Dom und zeigt Orte, an die man nicht so schnell als BesucherIn kommen kann. Das Dach des Domes zum Beispiel, das mit Stahlträgern gesichert ist. Das Weltkulturerbe ist kein Museum „und so lange ich Dompropst bin, wird hier kein Eintritt gezahlten werden müssen“, sagt Peters deutlich. Es brauche Orte, „zu denen wir mit unseren Gefühlen und Fragen kommen können, Fragen, auf die wir sehr oft keine zufriedenstellenden Antworten finden“ führt der Bischof von Trier, Stephan Ackermann bei der damaligen Feierstunde aus. Das Lichtermeer der Kerzen im Dom zeugt von all kleinen Hoffnungsmomenten der Menschen. Der Dom ist mit der Verehrung des Heiligen Rockes ein Besuchermagnet. Die Reliquie soll die Fragmente der Tunika Jesu Christi enthalten. Mit einem Code, der die vergitterte Tür dazu öffnet, führt Peters die Gruppe direkt an den Schrein im vorderen Bereich des Domes.
Dom als pastoraler Ort
„Mich beindruckt, wie der Weihbischof den Dom zu Trier als pastoralen Ort und Beschäftigung mit dem Leben nutzt. Man spürt, dass der Dompropst dahintersteht“, sagt Karl Schwellbach von der JVA Wuppertal-Ronsdorf. Dazu gehört der Erinnerungsort an die erschütternde Amokfahrt 2020, aber ebenso die bunte und moderne Malerei im hinteren Bereich des Domes. Dass der Dom ökumenisch genutzt wird betont Weibischof Peters. Es geht um die Verehrung der Göttlichkeit und nicht um die Zugehörigkeit zu einer Konfession. Die St. Athansius Kapelle der Koptisch-Orthodoxen Kirche ist ein weiteres Beispiel, wie man Kirchenräume beleben kann. An diesem Ort finden orthodoxe Gottesdienste stand. Eine eigene Eingangstür führt ins Freie. „Die orthodoxen Gottesdienste sind Kleriker-Zelebrationen. Die Menschen gehen dann schon einmal zu einem Kaffee raus“, sagt schmunzelt Peters. Sogar der Kaiser Konstantin ist als Ikone zu sehen. Tagung der Arbeitsgemeinschaft Jugendvollzug in Trier…
Michael King
Hintergrund
Nach den Urteilsfeststellungen fuhr der Angeklagte, der aufgrund einer paranoiden Schizophrenie an Wahnvorstellungen litt, am 1. Dezember 2020 zur Mittagszeit mit hoher Geschwindigkeit durch die belebte Fußgängerzone in der Trierer Innenstadt. Dabei steuerte er seinen Pkw in der Absicht, möglichst viele Menschen zu töten, gezielt auf verschiedene Personen und Personengruppen zu. Sechs Menschen erlagen ihren Verletzungen, die sie jeweils infolge der Kollision mit dem Tatfahrzeug davontrugen. Weitere zwölf Personen wurden – zum Teil schwer – verletzt.
Den Täter, ein damals 52-jähriger Mann aus Trier, hat das Landgericht Trier, nachdem der Bundesgerichtshof das im ersten Rechtsgang ergangene Urteil weitgehend aufgehoben hatte, wegen mehrfachen Mordes, versuchten Mordes und versuchten Totschlags zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Die Strafkammer stellte die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten fest und ihm u.a. die Fahrerlaubnis entzogen. Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat die Revision des Angeklagten verworfen, da die Überprüfung des Urteils keinen Rechtsfehler zu seinem Nachteil ergeben hat. Das Verfahren ist damit rechtskräftig abgeschlossen. Poller und massive Barrieren sperren das Gelände heute weiträumig ab. Das ist eine Folge der Amokfahrt.





