Das Fastenbrechen im Ramadan-Monat ist eine Tradition, die täglich in Gemeinschaft begangen wird. Für inhaftierte Menschen ist zwar das Fasten grundsätzlich möglich, allerdings essen die Gefangenen alleine nach Sonnenuntergang in ihrem Haftraum. Dieser Situation will der türkisch-deutsche Kulturverein Herford entgegenwirken. Zumindest an einem Abend sollen die inhaftierten Jugendlichen in der Kirche zusammenkommen können. Dazu sponsert der Verein das Essen.
Zusammen mit dem Mitarbeiter des Integrationsdienstes, dem Präventionsbeauftragten und den SozialarbeiterInnen bringen die ehrenamtlichen HelferInnen der islamischen Gemeinde Edelstahlbehälter und die notwendigen Utensilien für ein gemeinschaftliches Essen mit. Sorgsam wird alles in der Pavillonküche der Anstaltskirche aufgebaut. Die Tische werden von den einzelnen Abteilungen in die Kirche gebracht. Die im Jahr 1882 erbaute Kirche strahlt eine gute Atmosphäre für solch ein Vorhaben aus.
Alle sind eingeladen
Während des Ramadans ist das Fastenbrechen im Islam das abendliche Ritual eines Fastentages bei Einbruch der Dunkelheit. Traditionell wird als erstes eine Dattel gegessen und Wasser getrunken. Dementsprechend verteilen die HelferInnen Mineralwasser auf die Tische und legen eine Serviette dazu. Sie haben alles vorbereitet und warten auf die Gefangenen. Über 50 Jugendliche und junge Erwachsene nehmen das Angebot gerne an. Ob sie gefastet haben oder nicht, ob sie muslimischen Glaubens sind oder nicht, alle sind sie eingeladen gemeinsam das Essen zu zelebrieren. Sie setzen sich an die Tische und warten geduldig bis der Imam das Eröffnungsgebet spricht. Tisch für Tisch gehen sie „an das Buffet“.
Gemeinsames Essen ist ungewohnt im Knast
„Wir wollen die Gefangenen teilhaben lassen und ihnen etwas Gutes tun“, sagt eine Mitarbeiterin der türkischen Gemeinde. Sie war bereits im Vorjahr mit dabei. Die Bediensteten des Allgemeinen Vollzugsdienstes (AVD) stehen ebenso in der Warteschlange vor der Pavillonküche wie die Inhaftierten. „Sie scheinen das genauso zu genießen“, sagt eine Sozialarbeiterin zu einem uniformierten Bediensteten. Dieser lacht und holt sich noch eine Dattel und ein Süßgebäck dazu. Reis, Gemüse und Suppe sowie Fladenbrot werden auf einem Plastiktablett serviert. Ein sehr junger Gefangener steht für einen zweiten Gang bereits wieder in der Warteschlange. „Ich bin es gar nicht gewohnt mit anderen zu essen“, sagt er. „Niemand streitet sich um den besten Platz oder um die Menge des Essens“, bemerkt ein anderer. Es ist von allem genug da. Am Ende wird ein Streusselkuchen verteilt, der in der eigenen Bäckerei gebacken wurde. „Dieser ist noch übrig geblieben von heute Nachmittag, als eine andere Gruppe in der Kirche tagte“, sagt der Gefängnisseelsorger. Der Kuchen reicht nicht für alle, aber damit können die langsam gesättigten Jugendlichen leben.
Interreligiöse Verbindung
Nach gut zwei Stunden gibt es Dankesworte und ein Mitarbeiter der islamischen Gemeinde fragt, ob es allen geschmeckt habe. Applaus ertönt und bestätigt, wie gut solch ein Fastenbrechen in Gemeinschaft im Knast sein kann. „Das ist eine ganz andere Erfahrung für so manchen hier“, sagt ein Bediensteter, der selbst aus der Türkei stammt. Die Worte des türkisch sprechendem Imam werden spontan von einem Inhaftierten übersetzt. Bevor die Teilnehmer in ihre Abteilungen zurückgebracht werden, melden sich einige für das Aufräumen an. Berge von Müllbeuteln kommen zusammen. Doch schnell stehen die Tische und Stühle wieder an ihrem Ort, es wird gefegt und die Kirche wieder sauber gemacht. Eine gelungene Veranstaltung geht zu Ende, die der Spaltung im Vollzug entgegenwirkt und ein gelebtes Symbol für eine interreligiöse Verbindung sein kann.





