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Ehem. Politiker nach Haft: Gefangen in einer Welt voller Widersinn

24. Januar 2026

Linus Förster, ehemaliger SPD-Abgeordneter, Musiker und Autor, schreibt in seinem Buch „Gefangen in einer Welt voller Widersinn“ die düsteren Kapitel seiner Zeit im Gefängnis. Als Mitglied des Bayerischen Landtags und Gefängnisbeirat sah er sich plötzlich selbst auf der anderen Seite der Gitter. Doch seine Geschichte ist mehr als nur ein Abstieg; sie ist ein Zeugnis von Überleben, Selbstreflexion und dem Willen zur Wiedergutmachung.

Linus Förster. Foto: Privat

 

Das Buch erzählt sein Erleben in Haft und die Situationen verschiedener Inhaftierter, die Linus Förster während seiner Zeit im Gefängnis kennengelernt hat. Diese Geschichten beleuchten exemplarisch die tiefgreifenden Probleme und Herausforderungen, mit denen Strafgefangene konfrontiert sind, angefangen bei den Haftbedingungen bis hin zur Entlassung und Reintegration in die Gesellschaft. Es zeigt die oft unmenschliche Seite der Inhaftierung und hebt hervor, wie dringend Veränderungen und Reformen benötigt werden.

Diskussion um Reformen

Als ehemaliger bayerischer Landtagsabgeordneter und Gefängnisbeirat möchte der Autor auf die Schwächen und Unzulänglichkeiten des Justizsystems aufmerksam machen. Er geht auf die Mängel in der Gesetzgebung ein, die den Weg zur Resozialisierung erschweren, und zeigt auf, wie Politik versagt hat, den Bedürfnissen und der Rehabilitation von Strafgefangenen gerecht zu werden. Ziel ist es, nicht nur das Bewusstsein für die Defizite im Justizvollzug zu schärfen, sondern zu einer dringend benötigten Diskussion über Reformen anzuregen. Die Perspektiven, die in diesem Buch präsentiert werden, sind nicht nur für Politiker von Bedeutung, sondern für alle Mitglieder der Gesellschaft wichtig. Linus Förster ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnlicher Straffälliger und ehemaliger Inhaftierter. Er hat einen völlig anderen Hintergrund als die Mehrheit der Gefangenen.


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„Viel Mist gebaut“

Er war auf der Seite des Staates und derjenigen, die Gesetze machen. Er war Vertreter des Volkes, in dessen Namen er verurteilt und inhaftiert worden ist. Als Bezirks-Parteichef und Landtagsabgeordneter, aber auch Bandleader und Gelegenheits-Schauspieler machte der promovierte Politikwissenschaftler aus Augsburg stets eine gute Figur. „Ich war ein leichtfüßiger Mensch, wollte nie ein „normaler“ Politiker sein“, erinnert sich Förster. Tiefe Augenringe zeugen von Strapazen der letzten Jahre, die er hinter sich hat – ohne sich zu beklagen. „Ich habe wirklich viel Mist gebaut. Aber insgesamt betrachtet eben nicht nur Mist“, so Förster, der über seinen Gefängnisaufenthalt schreibt. Das Vorwort stammt von dem Augsburger Rechtsanwalt und Autor Thomas Galli, ehemaliger Leiter von Justizvollzugsanstalten und prominenter Kritiker des deutschen Strafvollzugs. Drei Jahre und zehn Monate lautetet das Urteil 2017, das Linus Förster zum verurteilten Sexualstraftäter machte.

Eine Stimme geben

Der Grund waren heimliche Filmaufnahmen von Frauen beim Sex sowie der Besitz kinderpornografischen Materials auf seinem Computer. Die Tatsachen bestreitet er nicht. „Bei den Frauen würde ich mich gerne entschuldigen, das ist aber nicht erlaubt. Den Dreck, den sie auf meinen Computer gefunden haben, finde ich selbst ekelhaft. Ich habe das Zeug nicht bewusst heruntergeladen, sondern es war so eine Art „Beifang“. Einiges habe ich direkt entdeckt und gelöscht; bei der Untersuchung wurde es jedoch wiederhergestellt und galt trotzdem als Besitz“, sagt Förster heute. Der Anspruch des Strafvollzuges, Straftäter zu resozialisieren, wird durch Linus Förster, der für seine gesellschaftliche Integration nach der Haft hart kämpfen muss, in besonderem Maße in Frage gestellt. „Er gibt mit seinem Buch jedoch nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitinhaftierten eine Stimme, und berichtet auf sehr anschauliche und spannende Art und Weise aus der Welt hinter den Mauern.
Auch damit nimmt er Verantwortung war, und gibt uns die Chance, näher hinzusehen und zu lernen“, so Thomas Galli. In dem Buch ist ein eigenes Kapitel, das sich mit der Problematik der Gefängnisseelsorge in Haft beschäftigt. „Ich weiß, dass es teilweise sehr auf Bayern, wo ich inhaftiert war, zugeschnitten ist, aber das meiste betrifft doch alle Knäste“, sagt Förster.

 

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