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Gangstergeschichten hautnah im Buch erzählt

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Unter dem auf den ersten Blick befremdlichen Titel „Zappenduster“ ist im Rhein-Mosel-Verlag ein Buch erschienen, welches den Untertitel „Wahres aus der Unterwelt“ trägt. Vier ehemalige Knastbrüder und eine Knastschwester haben sich zusammengefunden und Geschichten aus ihren früheren Leben in der Unterwelt und aus dem Gefängnis zu einer spannenden Anthologie gebündelt.

Einem breiteren Lesepublikum bekannt sind die Autoren Peter Zingler (dessen Biographie „Im Tunnel“ vor zwei Jahren in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen ist und die zwischenzeitlich unter dem Titel „Die Himmelsleiter“ mit Axel Prahl und Christiane Paul in den Hauptrollen verfilmt und in der ARD gezeigt wurde), sowie Hubertus Becker (der 2015 unter dem Titel „Das Blaue vom Hunsrück“ im Rhein-Mosel-Verlag seine Erinnerungen an die 50er und 60er Jahre veröffentlicht hat). Ingo Flam, ebenfalls ein ausgewiesener Veteran der rheinischen Ganoven-Schule und zweifacher Träger des Ingeborg-Drewitz-Literaturpreises (der allen der hier versammelten Autoren in den vergangenen Jahren wenigstens einmal zuerkannt wurde), geht in seiner Einleitung der Frage nach, was einen Menschen kriminell werden lässt.

In seiner Erzählung „Bankgeschäfte“ lässt er den Leser hautnah miterleben, wie er gemeinsam mit einem Komplizen eine Bank ausraubte und wie eine technische Panne am Fluchtmotorrad schließlich die Polizei auf ihre Fährte lenkte. Sabine Theisen kennt sich auf dem Drogenstrich aus. Ihre knallhart erzählten Geschichten aus dem Alltag einer Drogenabhängigen, die sich ihren Stoff durch Prostitution erarbeitet, gehören mit zum Besten, was es aus diesem unseligen Milieu zu lesen gibt. Maximilian Pollux schließlich gelingt es, in die Seele einer Drogenkurierin zu blicken, die blind vor Liebe jedes Risiko für ihren Pusher eingeht und am Ende wie alle anderen scheitert.

„Zappenduster“ ist ein Erzählband, in dem echte Ganoven echte Ganovengeschichten erzählen: authentisch und spannend. Dass alle der hier schreibenden Autoren inklusive der Autorin mindestens zehn Jahre im Knast saßen, also Zeit genug hatten, nachzudenken und ihre Gedanken zu Papier zu bringen, und den Mut, sie zu veröffentlichen, zeichnet sie aus. Bleibt zu hoffen, dass die Leser am Ende der Lektüre der Ironie gewahr werden, die sich hinter dem Titel verbirgt, denn hier wird das kriminelle Milieu ausgeleuchtet, also alles Andere als zappenduster…

 

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