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Wie Worte für Menschen weiter wirken können

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Eine Frau schreibt Petrus Ceelen aus der Psychiatrie, dass ein Satz aus seinem Buch sie vom Suizid abgehalten habe. Kaum zu glauben, dass ein paar Worte einem Menschen das Leben retten können. Ein gutes Wort wirkt wie Balsam. Manche Worte sind Gift. Wie Worte weiterwirken, davon erzählen Weggefährten, Frauen und Männer in verschiedensten Lebenslagen und Menschen hinter Gittern. Ganz persönliche Geschichten, mit Herzblut geschrieben, Briefe, Dankzettel, die zu denken geben.

Mehreren Beiträgen hat der Autor einen eigenen Denkzettel beigefügt – mitunter eindeutig zweideutig. Weiter schreibt er: „Mancher Text in diesem Buch klingt schon wie ein Nachruf. Da habe ich lieber selbst das Nachwort geschrieben. Ich hatte ja schon immer gerne das letzte Wort.“ Es ist kein Buch für Schnellleser, wie der Autor selbst sagt. Man kann die Dankzettel nicht lesen wie ein Roman vom ersten zum letzten Kapitel. Es gilt anzuhalten, die Sätze nachhallen lassen. Worte wollen verstanden, verinnerlicht werden. Eigene Bilder erscheinen in den Gedanken. Wir übertragen so manche Geschichte auf uns selbst. Da gut es gut zu lesen, dass andere ähnliche Schmerzen oder das selbe Leid durchgemacht haben.

Schmerzgrenze ist Sprachgrenze

Beim Lesen geht einem oft ein Licht auf. „Plötzlich leuchtet uns ein, was bis dahin dunkel war“, schreibt Ceelen. Durch Texte anderer kommen wir uns selbst auf die Spur. Ein Spiegel wird vorgehalten. Schwarz auf weiß steht geschrieben, wie Emotionen und Gefühle sein können. Ceelen: „Wir lesen nicht nur, wir schreiben alle unserer Lebensbuch. Jedes Blatt hat zwei Seiten“, meint er. Was andere in die Geschichten hineinlesen, steht oft auf einem anderen Blatt. Worte allein helfen nicht nur. Schweigen ist Gold und das zum richtigen Zeitpunkt. Davon kann Petrus Ceelen viel erzählen. „Die Schmerzgrenze ist auch die Sprachgrenze“, besonders beim Wort „Kindermissbrauch“. Es ist nichtssagend angesichts des unsäglichen Leid der Betroffenen.

Ein gemeinsames Buch

Petrus Ceelen, geb. 1943, langjähriger Seelsorger für Gefangene, Aidskranke, Obdachlose und Drogenabhängige und Trauerredner bekräftigt: „Unser Leben spricht durch das, was wir tun. Auch Gott ist ein Tätigkeitswort. Liebe leben.“ Seit er weiß, dass er unheilbar krank ist, erlebt er jeden Tag als ein kostbares Geschenk. „wer denkt, dankt“, sagt er kurz und knapp. Sterben müssen wir alle, aber das liegt in weiter Ferne. Schon vor einem Jahr kündigte Ceelen „sein letztes Buch“ an. Jetzt kommt wieder ein neues Werk heraus. Danke Petrus Ceelen und danke all den MitverfasserInnen, die dem Autor Danke sagen wollen. Es ist ein Gemeinschaftsbuch geworden. KollegInnen, Menschen, deren Hilfe Ceelens zuteil wurde und einfache Leute schreiben ihre Worte auf. Ein emphatisches Reden auf den großartigen Menschen aus Belgien. Seine und ihre Worte werden jetzt und in Zukunft weiter wirken. Immer wieder neu.

Michael King

 

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