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Der Kinofilm “Der verlorene Sohn” von und mit Joel Edgerton erzählt die wahre Geschichte von Garrard Conley, der von seinem strenggläubigen Vater zu einer sogenannten „Reparativtherapie“ geschickt wird, um ihn dort von seiner Homosexualität zu „heilen“. Jared ist 19 Jahre alt. Sein Vater, der Baptistenprediger in einer bibeltreuen Umgebung in Arkansas ist, kann diese Wahrheit nicht akzeptieren. Für ihn ist klar: Sein Junge ist vom rechten Pfad Gottes abgekommen.

So schickt er ihn zu einer sogenannten „Reparativtherapie“, wo er in mehreren Schritten wieder zu einem „normalen“ Menschen gemacht werden soll. Mehrere Wochen dauert der Kurs, abends darf Jared wieder ins Hotel zu seiner Mutter, die ihn begleitet. Sie spürt immer stärker, dass ihr Sohn unter der psychischen Misshandlung des radikalen Campleiters leidet. Und sie spürt auch, dass sie und ihr Mann Gefahr laufen, ihren Sohn, den sie doch lieben, für immer zu verlieren. Es ist die Verfilmung der wahren Geschichte des Garrard Conley, der als einer von fast 1 Million US-Amerikaner eine solche Reparativtherapie durchlaufen musste.

Jugendliche in Hemd und Krawatte versammeln sich in einem Kirchenraum vor einem Sarg. Ein Prediger verkündet, dass es Abschied zu nehmen gilt von einem Sohn, Freund und Bruder, der aus eigener Schuld den Versuchungen Satans anheimgefallen ist. Gemeint ist kein tatsächlich Toter, sondern ein Jugendlicher, der direkt vor den Sarg geführt wird. Der Prediger zeigt auf den Sarg und ruft den Vater des Burschen an: “Ist es das, was Sie für Ihren Sohn wollen?” Auf das Nein folgt ein Ja, als der Prediger fragt, ob jemand den Dämon niederschlagen will. Der Dämon, das ist in diesem Fall Homosexualität. Der Vater greift zur Bibel und schlägt auf seinen knienden Sohn ein. Immer mehr Teilnehmer folgen seinem Beispiel.

Der Film zeigt klar seine Haltung gegenüber dieser Methode, verurteilt aber nicht die Eltern, die in ihrer Verzweiflung und den Vorgaben ihres Glaubens gefangen sind und nur das Beste für ihren Sohn wollen. Jared leidet, vor allem unter der psychischen Gewalt des Leiter Sykes, den Edgerton selbst auf stoisch hartherzige Weise spielt. Ebenso wie seine Hauptdarsteller hat Edgerton sowohl Garrard Conley als auch dessen Eltern mehrfach getroffen und die Originalschauplätze besucht: “Damit wollte ich sichergehen, dass jede Figur im Film mit der Empathie behandelt wird, die sie verdient.” Das gilt auch für jene Figur, die der Star Wars-Fans als Owen Larsen bekannte Edgerton selbst spielt: den Therapeuten, der nicht grundsätzlich sadistisch, sondern gefangen in einer versteinerten Glaubenswelt wirkt. “Es geht hier um die Interpretation bestimmter Bibelstellen, die benutzt werden, um ganze Minderheiten und ihren Platz in der Gesellschaft zu zerstören. Ich glaube, dass manche Menschen Religion als Ausrede für ihre Ablehnung von etwas verwenden, das sie persönlich nicht mögen.”

 

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