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Umgang mit Narzissten: Sie ins Leere laufen lassen…

29. Dezember 2025

Macht und Ohnmacht. Herodes und das Kind. Manchmal hilft nur die Flucht, das Weggehen, um das zu retten, was wachsen und werden will. Unabhängig davon, ob der Herodes-Herrscher den Kindermord in Auftrag gegeben hat oder ob es ihn überhaupt in der Form gab, ist dieses Evangelium dennoch zeitlos wahr: Irdische Macht und himmlische Ohnmacht stehen sich gegenüber.

Kind stellt alles auf den Kopf

Jemand, der niemanden neben sich – gar über sich – duldet, versucht auszuschalten, was ihn bedrohen könnte. Herodes allein will das Sagen, will die Macht haben. Wir wissen, dass sie ganz unterschiedliche Namen tragen: Menschen, die nahezu zu allem bereit wären, um ihren eigenen Stuhl zu sichern und andere ausschalten. Sie sind das Gegenteil vom neugeborenen Kind: sie zeigen sich nicht wehrlos, nicht verletzlich, nicht auf Hilfe angewiesen. Sie geben den Ton an, dulden keine Widerrede, haben immer recht. Der Evangelist Matthäus meint, Herodes weiß genau, auf welch wackligen Füßen sein Haus, seine Macht steht, so dass er darauf angewiesen ist, dass alle mit-machen. Macht wird immer von unten gestützt, von denjenigen, die sich davon Teilhabe an der Macht erhoffen, Gunst und Wohlwollen. Kalkül und Strategie sind gefragt. Es geht mir gut, wenn der König mich mag. Eine Win-Win Situation für alle Beteiligten. Ein Kind hat in diesem System nichts verloren, schon gar kein Säugling. Es könnte ja sein, dass das System plötzlich Risse bekommt, möglicherweise in sich zusammen fällt, weil die Aufmerksamkeit woanders hingeht, weil sich plötzlich ganz neue Fragen stellen, weil auch die härtesten Großen weich und wieder klein werden, weil jemand anderes dann der König ist, der, um den sich alles dreht. Ein Kind stellt alles auf den Kopf. Herodes und alle, die so sind wie er, wissen das.

Träumende geben nicht auf

Mit etwas anderem hat Herodes nicht gerechnet: Mit träumenden Männern wie Josef. Er kennt nur die seinen Befehlen Gehorchenden, die sich Duckenden, die ihm Huldigenden. Dass jemand von etwas ganz anderem träumt als von Macht, dass jemand seinen Narzissmus sogar durchschaut, hält er nicht für möglich. Josef bekommt den Hinweis, sich aus dem Staub zu machen, Herodes erst gar nicht an sich heran zu lassen. Vielleicht ein weiser Umgang mit Narzissten: Sie ins Leere laufen lassen, ihnen zuvor zu kommen, denn irgendwie ist ihr Handeln berechenbar, vorhersehbar. Zumindest Engel wissen das, Wesen, die einen besseren Überblick haben, nicht im Alltagsgeschäft stecken. In manchen Situationen kommen wir mit unserem Verstand nicht weiter, wir brauchen den Hinweis, der uns sagt, wann es Zeit ist zu gehen. Das sind Engel, die dann sagen: Steh auf. Spiel das Spiel nicht mit. Geh. Und warte nicht. Träumende geben nicht auf. Sie entziehen sich dem Treiben der Mächtigen, sie nehmen anderes wahr, dem sie mehr Gehör schenken und Folge leisten. Durch Josef übersteht Jesus eine ernste Morddrohung. Wir wissen, wie damals die Geschichte weiter gegangen ist. Wie sie heute weiter gehen kann, wissen wir nicht. Das liegt an uns, abhängig davon, wem wir unser Gehör, unsere Aufmerksamkeit schenken und wovon wir träumen: ob von eigener Macht oder Teilhabe daran, oder vom Schutz der Ohnmächtigen. Jesus kehrt zurück, als Herodes tot ist. Wo man ihn leben lässt, wird er groß. Wo wir ihn leben lassen, wird er groß.

Bernd Mönkebüscher

 

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