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Tonfiguren im Pallotti-Haus: Ein Hirte als Drogenkonsument…

3. Juli 2026

Die ausgestellten Figuren im Freisinger Pallotti-Haus sind Teile einer Krippe. Sie zeigen in modernen Darstellungen aktuelle Themen und möchten dem Betrachter die Hirten als Ausgestoßene, am Rande der Gesellschaft Stehende und leidende Menschen vor Augen führen. Wie die Hirten damals keineswegs romantische Schäferfiguren waren, sondern zur Unterschicht der Gesellschaft gehörten, teilweise Paria waren, so stehen heute z.B. Alkohokranke, drogenabhängige, alte und behinderte Menschen am Rande des Lebens.

 

Bei der Alpenländischen Tagung von GefängnisseelsorgerInnen aus der Schweiz, Österreich und Bayern im Pallotti-Haus in Freising entdecke ich sie auf einem Fenstersims im Gang: Die Tonfiguren. Wunderschön anzusehen. Sehr fein gearbeitet, die Gesichter erzählen Lebensgeschichten. Eine Figur stört das eher harmonische Potpourri. Ein Mann mit einer Spritze in der Hand, der sich gerade einen „Schuss setzt“. Passt das in ein solch frommes Haus? Es ist eine Realität, vor der wir die Augen nicht verschließen können. Es gibt kein Rezept oder eine allgemein gültige Anleitung, wie da rauszukommen ist. Hinweise auf therapeutische Hilfen sind wichtig. Doch diese anzunehmen müssen Betroffene selber entscheiden.

Ob Drogenkonsum hilft…

Vor kurzem erhielt ich eine Presseanfrage: Wie sieht es mit der Hitze im Knast aus? Was wird dagegen getan? Frage zurück: Was könnte es denn dagegen geben? Eis oder eine Wasserabkühlung im Freistundenhof? Letzteres hat man in der JVA Bielefeld-Brackwede einmal verwirklicht. Frage ich einen jugendlichen Gefangenen, so höre ich, dass dagegen nur der Drogenkonsum helfen könne, um das alles zu überstehen. Das ist befremdliches Denken, klar. Und wenn ich das auch nicht wertschätze, muss ich diese wirklich nicht gute „Lösung“ wohl tolerieren. Im Nachhinein denke ich, gut dass genau diese eine Tonfigur an dem Platz ist, an dem sie ist. sie gibt Hinweise auf brüchige Geschichten, auf Abgründe und Scheinlösungen. Gerne hätte ich gewusst, aus welcher Kultur die Figuren kommen. Sie sind nicht nur Deko, sondern Teil der interkulturellen Arbeit der Pallottiner, so vermute ich. Diese ziehen zurzeit aus dem Bildungshaus aus und hinterlassen ihre Erfahrungen.


Künstlerin Hildegard Neunkirchen

Die Figuren stammen aus dem Nachlass eines Pallottiners. Sie wurden ihm von der Künstlerin Hildegard Neunkirchen überlassen. Aus etwa 30 Figuren besteht diese Weihnachtskrippe. Die „Charakterköpfe“ regen Tagungsgäste zum Innehalten und Erzählen an. Ergreifende Szenen zeigen sich darin aus dem Leben. Wie der eine Hirte als Drogenkomsument. Hildegard Neunkirchen ist Bildhauerin und Keramikkünstlerin aus Unkel am Rhein. Sie ist vor allem für diese Art von handgefertigten Tonfiguren bekannt, insbesondere für ihre detailreichen, oft im kölschen oder weinkulturellen Milieu angesiedelten Weihnachtskrippen. Der Pallottipater Christian Stumpf lässt sich inspirieren, mit Hilfe der Figuren kurze Geschichten zu schreiben, die in den Pallottiner Kalendern zu finden sind. 

Michael King

 

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