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Tiefer als Gefängnis kann man nicht fallen

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Der Strafvollzug hat nicht nur die Sicherheit der Gesellschaft zu gewährleisten, er bietet auch soziale Arbeit und Sorge für die Menschen hinter Gittern. In Zusammenarbeit mit der Gefängnisseelsorge zeigen der Sozialdienst und die anderen Fachdienste starkes Engagement trotz veränderter Vorzeichen der Gefangenenklientel mit oft hohen psychischen und physischen Belastungen auch während der andauernden Pandemie. Die Arbeit von Sozialdienst und Seelsorge in der Justizvollzugsanstalt Fulda sind deswegen nicht ohne Kraftanstrengung und manche Konfliktsituationen vorstellbar.

Die Sozialpädagoginnen Johanna Tesch und Andrea Koch (rechts) im Gespräch mit Sachgebietsleiter „Sicherheit“ Udo Kramm. Foto: Gefängnisseelsorge JVA Hünfeld und Fulda.

Die Inhaftierten der JVA Fulda werden in ihren unterschiedlichen Lebenslagen und Situationen begleitet, zu denen sowohl Seelsorge, soziale Betreuung und Beratung, sowie die ganz konkrete Haftsituation und der Alltag mit allen aktuellen Facetten gehört. Zielsetzung der Angebote im Gefängnis ist es u.a. miteinander ins Gespräch zu kommen, Empfindungen und Befindlichkeiten auszudrücken und Gruppenprozesse anzuregen. Dies beginnt für die Sozialpädagoginnen Andrea Koch und Johanna Tesch bei der Feststellung des Förderbedarfs und endet bei der Entlassungsvorbereitung bzw. Entlassung und geht sogar teilweise darüber hinaus. Auch die Gefängnisseelsorger versuchen den Sozialdienst und das Anstaltspersonal mit Einzelgesprächen, Gottesdiensten und Musik zu unterstützen und zu stärken. Die gemeinsame Hoffnung der Fachdienste: die Gefangenen zu motivieren für sich einen Weg zu finden und dabei künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen.

Kernaufgaben des Sozialdienstes

In einem Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger, Diakon Dr. Meins Coetsier, berichtet Frau Koch, „Die Kernaufgaben der Sozialdienste im Gefängnis umfassen vieles. Von einfach mal miteinander reden, trösten, über Telefonate, fachliche Diagnostik und Beratung bis hin zu Vernetzung und Vermittlung sozialer Hilfen.“ Sie ergänzt, „unsere Arbeit hat immer das Ziel einer Verbesserung der Lebenslage des Gefangenen in jeder Hinsicht – psychisch, sozial und materiell. Das verlangt aber von jedem viel Geduld, Planung und Organisation.“ Ihre Kollegin, Frau Tesch, spricht lebhaft über die wesentlichen sozialen Beratungsangebote für die Gefangenen: „Wir bieten Suchtberatung, Beratung über soziale Rechte und Pflichten, Schuldnerberatung und Beratung von Inhaftierten mit Migrationshintergrund an – und das ist nur ein Teil unserer tagtäglichen Arbeit hier drinnen!“

Zum Beispiel ist die Kreativwerkstatt des Gefängnisses, damals entwickelt von Andrea Koch zusammen mit dem ehemaligen Anstaltsleiter Winfried Michel, erwähnenswert. „Man merkt in den Gesprächen mit Inhaftierten, wie viel die Kreativwerkstatt, die Musikgruppe, oder das Kochprojekt «Hartzhaft und Lecker» den Gefangenen bedeutet“, sagen beide Sozialpädagoginnen. „Es wird nicht nur für die Weihnachtsgottesdienste gebastelt, auch haben manche Inhaftierte ihre Zellen mit eigens genähten Gardinen, gemalten Bildern und gestalteten Kunstwerken verschönert. Manch ein Gefangener hat richtig kreatives und musikalisches Talent und blüht sogar während der Haft auf!“

Mitgefühl für die Mitmenschen

Der Sozialdienst und die Seelsorge im Fuldaer Gefängnis zeigen, wie umfangreich das Tätigkeitsfeld hinter Gittern sein kann. Andrea Koch glaubt nach ihrer langen Laufbahn als Frau im Männer-Vollzug, noch immer an die soziale Betreuung der Straf- und Untersuchungsgefangenen und schätzt die Aufgaben des Sozialdienstes, der Suchtberatung und der Seelsorge mit den Menschen sehr. „Tiefer als Gefängnis kann ein Mensch in unserer Gesellschaft nicht fallen. Wir versuchen deshalb nicht zu richten, sondern gemeinsam, unter der Leitung von Sachgebietsleiter Sicherheit Udo Kramm und Anstaltsleiter Karsten Koudela, die verurteilten Männer menschenwürdig aufzufangen und zu begleiten und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Soweit das im Vollzug geht und im System möglich ist.“ Frau Tesch betont: „Die Gefangenen leben zusammen, jeder in seiner Zelle, wobei der individuelle Bedarf, persönlicher Entwicklungsstand und Förderbedarf berücksichtigt werden muss. Somit ist sowohl für den Sozialdienst als auch für die Seelsorge eine spezifische Einzel- und Gruppenarbeit notwendig und sogar wünschenswert. Einfaches Mitgefühl für die Mitmenschen schadet nicht und gemeinsam bleiben wir dran!“

 

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