Erstaunt und vielleicht innerlich amüsiert äußert sich ein Inhaftierter im Ostergottesdienst der rheinland-pfälzischen Justizvollzugsanstalt Rohrbach, als der Gefängnisseelsorger dazu einlädt, die Osterkerze mit dem eigenen Fingerabdruck auf einem Wachsplättchen zu verschönern.
Keine Spuren hinterlassen
Das Hinterlassen des eigenen individuellen Fingerabdrucks hat nicht bei wenigen der einsitzenden Menschen zu ihrer Inhaftierung geführt. Die eigenen Spuren zu hinterlassen – theologisch eine durchaus zu würdigende Angelegenheit – ist im Knastzusammenhang mit negativen Empfindungen assoziiert: Zuerst kommt die erkennungsdienstliche Erfassung nach einer Straftat in Erinnerung. Da werden die Fingerabdrücke digital erfasst. Zum anderen wird es als Schwäche gesehen, überhaupt Fingerabdrücke hinterlassen zu haben. Die eigenen Spuren zu verwischen und zu verschleiern gehört zu den scheinbaren Überlebensstrategien in kriminellen Milieus, wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Besonders im digitalen Raum will man die eigenen Spuren nicht wiederfinden, sie werden aber unweigerlich hinterlassen.
Einmaliger Fingerabdruck
Die christliche Botschaft ist klar: Das JA Gottes zu allen Menschen ist ein JA zu den je eigenen Lebensspuren, was nicht bedeutet, dass Gott alle Wege und Abwege des Lebens gut heißt. Sein JA setzt tiefer an, es gilt nämlich ausnahmslos jedem Menschen und zwar von Anfang an. Sein JA legt die erste Spur in unseren Leben und gibt uns damit immer wieder die Möglichkeit zu diesem Ursprung unseres Lebens, nämlich seiner Liebe, zurückzukehren. Unzählige Spuren prägen jedes einzelne Leben. Manches Mal gibt es ein Spurendurcheinander darin. Da braucht es viel Zeit, dieses Durcheinander zu sichten und zu sortieren. Die Zeit finden inhaftierte Menschen oft erst im Gefängnis. Den eigenen einmaligen Fingerabdruck, den es kein zweites Mal auf der Welt gibt, als Zeichen von Gottes Liebe zu verstehen, motiviert Inhaftierte doch ihren Fingerabdruck auf die Osterkerze und damit auf die Hoffnung auf eine Auferstehung zu setzen.
Andreas Backert | JVA Rohrbach





